Mannheim

Hochschule Sonderausstellung mit Gemälden von geflüchteten Kindern der Columbus-Schule

In Kunstprojekten entspannt

Auf einem Gemälde sehen die Betrachter auf blutrotem Hintergrund einen fauchenden Tiger mit aufgerissenem Maul. In einem anderen Rahmen hängen drei riesige Marienkäfer mit freudigen Gesichtern, gestaltet als Collage. Andere Bilder zeigen dagegen Rechtecke, Punkte und Striche in wilden Farben oder einen geklecksten Rorschachtest.

Im lichtdurchfluteten Treppenhaus der Hochschule Mannheim im Stadtteil Almenhof feiert gerade die Sonderausstellung „Kunst geflüchteter Kinder der Columbus-Willkommensschule“ mit Gemälden von ausländischen Mädchen und Jungen ihre Vernissage. „Sie erinnern sich an das Jahr 2015, als eine Million Menschen nach Deutschland kamen, um nach Schutz und Asyl zu suchen“, sagt die scheidende Vertretungsprofessorin Friederike Barié-Wimmer. Etwa 12 000 Flüchtlinge davon seien damals in Mannheimer Unterkünften angekommen.

Ehrenamtliche Dozenten

Sämtliche Kunstwerke stammen von Flüchtlingskindern, die zwischen Juni 2016 und April 2018 die Columbus-Willkommensschule auf dem Benjamin-Franklin-Gelände im Stadtteil Käfertal besucht haben. Die meisten Minderjährigen sind mittlerweile mit ihren Eltern weitergezogen. Ausrichter der Schau ist die Fakultät für Sozialwesen an der Hochschule.

Sobald ein Kind von Asylbewerben länger als sechs Monate in Baden-Württemberg lebt, fällt es unter die Schulpflicht. Die Columbus-Willkommensschule dagegen war eine freiwillige Einrichtung, die sich aus kunterbunten Unterrichtscontainern zusammensetzte. Dort brachten vormittags ehrenamtliche Dozenten Sprösslingen von sechs bis 15 Jahren wichtige Grundlagen in Mathematik und Deutsch bei.

Sprachbarrieren überwunden

An den Nachmittagen schlossen sich freizeitpädagogische Angebote mit freiwilligen Kursen in Musik, Sport, Theater, Spiel und Bildender Kunst an, aus denen die gezeigten Gemälde hervorgegangen sind. Zur Fastnachtszeit seien jene Bilder entstanden, auf denen Tiger und Löwen dargestellt sind, parallel dazu haben die Kinder Löwenkostüme geschneidert. „Fasching und Karneval gibt es nicht in allen Ländern, wie wir es kennen“, erläuterte Sprecherin Claudia Möller von der Stadt Mannheim in einem Rundgang.

Darüber hinaus lassen Steckbriefe, in denen die Zöglinge eigene Stärken notierten, tiefere Einsichten in die Persönlichkeiten der Jungkünstler zu. „Ich kann mich durchsetzen / Ich bin tolerant / Ich bin oft bereit, zusätzliche Aufgaben zu übernehmen“, kann man darin lesen.

Eine Herausforderung sei die Sprachbarriere gewesen, aus 27 Ländern stammten die 400 Kinder, etwa aus Syrien, dem Irak, Afghanistan und afrikanischen Ländern. „Wir wollten den Kindern eine sinnvolle Tagesstruktur bieten. Manche Kinder waren durch ihre Fluchterfahrung noch gar nicht in der Schule gewesen“, schildert Rednerin Claudia Möller, und: „In den kreativen musischen Stunden waren die Kinder besonders entspannt.“