Mannheim

Justiz Verfahren nach Explosion in Käfertaler Kirchturm

Ist 25-Jähriger seelisch krank?

Archivartikel

Nach der Explosion in der Käfertaler St.-Hildegard-Kirche im Oktober vergangenen Jahres will die Staatsanwaltschaft erreichen, dass der mutmaßliche Täter in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht wird. Das teilte die Behörde gestern mit.

Der Vorfall hatte in der Gemeinde Bestürzung ausgelöst. Dem inzwischen 25-jährigen pakistanischen Staatsbürger wird vorgeworfen, am 17. Oktober eine Explosion in der katholischen Kirche verursacht zu haben – wodurch ein Schaden in Höhe von mindestens 6800 Euro entstand. Laut Staatsanwaltschaft soll er zusammen mit einem bisher unbekannten weiteren Täter mit einem Hammer zuerst zwei Glasfenster des Kirchturms eingeschlagen haben. Anschließend sollen sie eine geöffnete Gasflasche hineingelegt und das ausströmende Gas angezündet haben. Warum die Ermittler von einem Mittäter ausgehen und ob sie schon eine Spur von dem Unbekannten haben, wollte Sandra Utt, Sprecherin der Mannheimer Staatsanwaltschaft, gestern nicht sagen.

Wohl kein religiöses Motiv

Der festgenommene 25-Jährige ist geständig. „Anhaltspunkte für ein religiöses Motiv sehen wir nicht“, so die Staatsanwältin. Genauere Angaben will die Behörde aber nicht machen. Das Gleiche gilt für den Zustand des Mannes: Ein Gutachten hat ergeben, dass er bei der Tat möglicherweise nicht schuldfähig war. Laut Paragraf 20 des Strafgesetzbuchs kommt das in Betracht, wenn jemand an einer krankhaften seelischen Störung oder einer Bewusstseinsstörung leidet. Utt wollte keine Angaben dazu machen, warum genau das für den 25-Jährigen gilt. „Dem steht der Persönlichkeitsschutz des Mannes entgegen.“ Auch bei einer Gerichtsverhandlung werde die Öffentlichkeit bei diesem Teil in der Regel ausgeschlossen.

Anstelle eines Strafverfahrens beantragt die Staatsanwaltschaft beim Landgericht ein sogenanntes Sicherungsverfahren: Ziel sei es, dass der mutmaßliche Täter dauerhaft in einer Psychiatrie untergebracht wird – wie es jetzt bereits der Fall ist. fab