Mannheim

Landgericht Plädoyers im Prozess um Küchenbeil-Angriff

Jahrelange Haft oder Strafe auf Bewährung?

Im Prozess um versuchten Mord haben am Dienstag vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts Staatsanwaltschaft und Verteidigung ihre Plädoyers vorgetragen. Angeklagt ist der 32-jährige Rumäne Octavian T., ein Gaststättenbetreiber aus der Neckarstadt. Er soll in der Nacht zum 26. April 2019 in seiner Bar Isa A. zunächst mit einem Elektroschocker, dann mit einem Messer und schließlich mit zwei Küchenbeilen angegriffen haben. Nachdem sich die Situation scheinbar beruhigt hatte, soll er dem Geschädigten unvermittelt ein Butterflymesser in den Hals gestochen und ihn lebensgefährlich verletzt haben.

Die Plädoyers liegen nicht nur bei der Strafzumessung weit auseinander, sondern auch in Bezug auf die Frage, ob es sich überhaupt um einen Mordversuch handelte. Staatsanwältin Jeanette Zipperer sieht dies bewiesen. Die Einlassung des Angeklagten, er habe A., der ihn betrogen und ihm Geld geschuldet habe, nur „erschrecken“ wollen, glaubt sie ihm nicht. Ihrer Ansicht nach handelte T. vorsätzlich, auch sieht sie das Mordmerkmal der Heimtücke erfüllt. Nach der vorläufigen Beilegung des Streits sei A. arglos gewesen. T. habe dem Opfer ein Gespräch vorgetäuscht, um ihn zu überwältigen.

Gravierende Folgen

Sie hält T. zugute, dass dieser bisher strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten sei und nach der Tat keinen erneuten Tötungsversuch unternommen habe. Zudem sei er geringfügig alkoholisiert gewesen. Zu seinen Lasten führt sie die kriminelle Energie an. Der Angeklagte habe aufgrund der ausstehenden Schulden Selbstjustiz geübt, zudem sei der Angriff eine Machtdarstellung gewesen. Zu bewerten sei auch die Gefährlichkeit der Tat. Außerdem spricht die Staatsanwältin von „gravierenden Tatfolgen“ – A. sei noch immer in der Bewegungsfähigkeit seines Armes eingeschränkt. Wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung fordert Zipperer eine Haftstrafe von acht Jahren und sechs Monaten.

Verteidiger Hanns Larcher zweifelt am Tötungsvorsatz. Er sieht zwar eine das Leben gefährdende Handlung gegeben – das Wissen um die Gefährlichkeit einer Handlung sei jedoch kein zwingender Beweis für einen bedingten Tatvorsatz. Die Szene, in der T. die Küchenbeile drohend schwingt, erinnere ihn „an einen Orang-Utan, der sich auf die Brust trommelt“. Bereits da wäre es T. möglich gewesen, den Geschädigten tödlich zu verletzen, was er aber nicht versucht habe.

Die spätere Stichverletzung habe auch im Gerangel entstehen können, betont Larcher und meint: „Wenn er hätte töten wollen, hätte diese Verletzung anders ausgesehen.“ Zudem habe die Rechtsmedizin nicht feststellen können, dass die Bewegungseinschränkung von A. nicht schon vorher bestanden habe. Larcher wirft auch die Frage auf, was der Angeklagte vom Tod des Geschädigten, der ihm ja Geld schuldete, für einen Vorteil hätte haben können. Der Verteidiger betont, dass T. weder vorbestraft noch polizeibekannt sei. Er spricht sich für eine Bewährungsstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung aus.

Im sogenannten letzten Wort äußert sich der Angeklagte. „Ich möchte mich bei Isa entschuldigen, ich wollte ihn zu keinem Zeitpunkt töten“, erklärt er unter Tränen. Das Urteil soll am Donnerstag fallen.

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