Mannheim

Reiss-Engelhorn-Museen Mannheimer Ausstellung zählt schon an der ersten Station in Japan 450 000 Besucher

Japaner strömen zu Mumien

450 000 Besucher: Man hat den Eindruck, Wilfried Rosendahl kann diese Zahl selbst noch gar nicht so richtig fassen. Doch so viele Menschen haben die von ihm verantwortete Ausstellung „Mumien – Geheimnisse des Lebens“ der Reiss-Engelhorn-Museen im National Museum of Nature and Science in Tokio bisher gesehen. „Eine große Ehre für Mannheim und die Reiss-Engelhorn-Museen“, freut sich Rosendahl, Direktor des Museums Weltkulturen und Leiter des „German Mummy Project“.

Seit Anfang November ist die Ausstellung in der japanischen Hauptstadt zu sehen – als Auftakt einer eineinhalbjährigen Japan-Tournee, die fünf Museen umfasst. Noch bis 24. Februar läuft die Ausstellung in Tokio. Von November bis heute gibt es nicht nur an der Kasse, sondern auch auf dem Vorplatz des großen Museums ständig Warteschlangen von Besuchern.

Die erste Mannheimer Mumien-Ausstellung hatte 2007/08 noch knapp 200 000 Besucher angelockt. Dann ging sie auf USA-Tournee mit acht Stationen sowie an zehn weiteren Orte in Deutschland und Europa. Über drei Millionen Besucher haben die Mannheimer Ausstellung da gesehen, ehe sie – um neue Forschungsergebnisse erweitert – im September 2018 ins Zeughaus zurückkehrte und dann bis März 2019 weitere 40 000 Besucher erreichte.

Höflich und hilfsbereit

„Mit der Ausstellung in Tokio und den dortigen Besucherzahlen hat die nun langjährig tourende Mumienausstellung aber ihren größten Erfolg gefeiert“, so Rosendahl. „Es freut mich sehr, dass das Mannheimer Museums- und Forschungs-Know-how so gut beim Publikum in der japanischen Hauptstadt ankommt“, ist er zufrieden mit der großen internationalen Resonanz.

Seine Kollegin Stephanie Zesch, wissenschaftliche Mitarbeiterin im „German Mummy Project“, und Matthias Feuersenger als Restaurator, Präparator und Kurier hatten die Mannheimer Exponate in das Land der aufgehenden Sonne gebracht und dort aufgebaut. „Das lief alles sehr professionell und reibungslos ab“, berichtet Feuersenger. „Ich habe nicht bemerkt, dass außer dem Organisatoren-Kernteam irgendjemand Überstunden gemacht hätte“, sagt er unter Anspielung auf den Zeitdruck, der oft in Deutschland herrscht. Das Museum verfüge über eine Sonderausstellungsfläche mit großem Lastenaufzug und reichlich Lagerfläche, stellte er auch etwas neidisch fest. Die Mitarbeiter des Museums und der Kunstspedition „machten mit ihrem extrem höflichen, freundlichen Umgang und mit ihrer Disziplin vor allem einen erfrischend professionellen Eindruck“, so Feuersenger: „Da macht Ausstellungsaufbau Spaß!“

„Höflichkeit und Hilfsbereitschaft der Kollegen waren eine große Freude, das machte den Aufenthalt zu etwas ganz Besonderem“, erzählt auch Stephanie Zesch. „Nichts wurde dem Zufall überlassen, für die Bühnenpräsentation gab es sogar einen Probedurchlauf“, fiel ihr auf.

Unendliches Häusermeer

Für Feuersenger ist die Ausstellung in Tokio „in ihrer Gesamtwirkung von allen bisherigen Standorten am schönsten“. „Dunkle Farbtöne, zurückhaltende Beleuchtung, ruhige Atmosphäre“, ergänzt Zesch. Außergewöhnlich seien die zusätzlich zur Mannheimer Ausstellung gezeigten, durch Selbstmumifizierung entstandenen Exponate japanischer Mönche. „Die lösen sicher in besonderem Maße Emotionen beim Betrachter aus, regen zum Nachdenken über die menschliche Vergänglichkeit an“, so Zesch.

Sehr beeindruckt haben die beiden Mannheimer Museumsmitarbeiter auch das Land und seine Hauptstadt. „Tokio scheint zunächst wie ein unendliches Häusermeer, übervoll von Menschen“, so Stephanie Zesch. Bereits nach wenigen Stunden bekomme man jedoch einen Eindruck, wie gut strukturiert diese Stadt sei. „Die Stadt ist trotz ihres Charakters als Weltmetropole überaus sauber, hat zwar wenige, aber sehr gepflegte und weitläufige Grünanlagen“, fiel Zesch auf. „Ein Betonmoloch“, war auch Feuersengers erster Eindruck, „aber mit unerwarteten Lichtblicken“. Die Stadt sei „zwar riesig, aber verglichen mit Mannheim viel sauberer, wirke viel leiser und ruhiger“. Und dank der „wunderbaren Disziplin und Höflichkeit der Leute“ sei es „ deutlich entspannter, in Tokio in eine proppenvolle S-Bahn einzusteigen als in Deutschland in einen ICE“.

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