Mannheim

Jubiläum Zweite Ausstellung im Herschelbad zu sehen

„Jedem wöchentlich ein Bad“

„Jugendstilbäder in Deutschland“ ist das Thema der zweiten Ausstellung anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Herschelbads. Das verwundert nur Nichtschwimmer, denn außen ist dem Gebäude der Jugendstil nicht anzusehen – die Fassade ist Neobarock. Erst in der Schwimmhalle selbst wird der Jugendstil mit geschwungenen Linien und Ornamenten sichtbar. In Deutschland war diese Bauform vor allem in der Darmstädter Künstlerkolonie 1899 bis 1914 umgesetzt worden. 16 meist zweiseitig bedruckte Tafeln schildern in Wort und Bild, wie sich ab Mitte des 19. Jahrhunderts Volks- und Stadtbäder als Symbole einer modernen und aufgeklärten Kommune entwickeln.

Ursprünglich ging es hauptsächlich um Hygiene, weil viele Haushalte keine Duschen oder Wannen hatten. So zeigte London anlässlich der Pariser Weltausstellung im Jahr 1900 ein Stadtbad. Innerhalb weniger Jahrzehnte wandelte sich die Aufgabe: Schwimmen und Sport wurden wichtiger – im Mannheimer Herschelbad war für Sport und Hygiene gesorgt. Schwimmvereine wurden gegründet.

Andere Ansprüche nach dem Krieg

Seinen Höhepunkt erreichte der Bäderbau in den ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts mit den sogenannten Jugendstilbädern. In dieser Epoche wurde neben zahlreichen anderen Einrichtungen auch das Mannheimer Herschelbad erbaut. In der Ausstellung sind Bäder anderer Städte wie Darmstadt, Halle, Zwickau, Straßburg und Budapest zu sehen. Architekt Richard Perrey, seit 1902 Stadtbaurat in Mannheim, entwarf das damals moderne Gebäude. Ihm war nicht nur wichtig, dass der Bau ästhetisch höchsten Ansprüchen entspricht, er legte auch großen Wert auf Licht, Belüftung, verhältnismäßig niedrige Personalkosten und eine Bauweise, die „möglichst unvergänglich“ ist. Drei Schwimmbereiche trennten die Bevölkerung: Die Volksschwimmhalle hatte einen separaten Eingang und war für die Ärmeren gedacht, für die Reicheren gab es eine Männer- und eine Frauenhalle. Auch in den Wannenbädern gab es zwei Preisstufen.

Vor dieser Zeit wurde in den Städten in Flussbadeanstalten geplanscht, in Mannheim gab es eine solche bereits 1777. Doch die galten 200 Jahre später als unhygienisch, viele Menschen starben an Cholera. 1899 wurde die Deutsche Gesellschaft für Volksbäder gegründet. Ihre Forderung: „Jedem Deutschen wöchentlich ein Bad.“ Anstoß zur Errichtung eines Volksbads in Mannheim gab der damalige Oberbürgermeister Otto Beck (1846 bis 1908). Er bewegte seinen Freund Bernhard Herschel dazu, 500 000 Goldmark für den Bau eines städtischen Hallenbades zu vermachen.

Das Herschelbad war nach seiner Einweihung 1920 mit 4530 Quadratmetern eines der größten Deutschlands und hatte die neueste Technik: So verfügte damals eine der drei Hallen über ein Wellenbad – das erste in Deutschland. Außerdem gab es Wannenbäder, Fußbäder, ein Irisch-Römisches Dampfbad, ein elektrisches Bad, ein Sonnenbad, ein Hundebad (damals üblich), eine Wäscherei inklusive Trockenvorrichtung, einen Friseur, drei Dienstwohnungen sowie als längerfristiges Provisorium die Volksbibliothek.

Doch schon nach dem Ersten Weltkrieg änderten sich die Ansprüche, der sportliche Aspekt trat in den Vordergrund: Schwimmbecken mit 25 Metern Länge für Wettkämpfe waren gefragt, bald trainierten Männer und Frauen in den gleichen Räumen. Wobei, so macht die Ausstellung deutlich, der Sport einen militärischen Hintergrund hatte: Es ging um Leistung, Konkurrenz, Sieg. Auch die Architektur veränderte sich: Rechteckig-praktische Bauten erhielten meist Flachdächer.

Info: Weitere Bilder unter morgenweb.de/mannheim

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