Mannheim

Interview Motocross-Extremsportler Luc Ackermann kämpft bei „Night of the Jumps“ in der SAP Arena um Europameistertitel

Jubel als „gigantischer Ansporn“

Archivartikel

Mannheim.In der Motocross-Szene gilt der 20-jährige Luc Ackermann als der Durchstarter und als deutsche Hoffnung bei den legendären „X Games“. Auf seinen Namen vereinen sich stolze vier Weltrekorde, mit seinem doppelten Rückwärtssalto bei der „Night of the Jumps“ in Berlin erstaunte er selbst routinierte Konkurrenten. Er liegt in WM und EM ganz vorne, doch Konkurrent Maikel Melero ist direkt in Schlagdistanz. Ehe Ackermann aus Mühlhausen als Spitzenreiter in Welt- und Europameisterschaft morgen in der in der SAP Arena um den EM-Titel kämpft, hat diese Zeitung am Telefon mit dem deutschen Ausnahmetalent gesprochen.

Herr Ackermann, wenn man als junger Mann vor der Entscheidung steht, entweder den Sport zu leben oder ein Privatleben zu genießen: Wie trifft man diesen Entschluss?

Luc Ackermann: Wenn man, wie ich, schon mit dreieinhalb Jahren anfängt, Motorrad zu fahren, ergibt sich das fast von selbst. Ich habe es geliebt, jeden Tag zu fahren und zu trainieren – und wenn ein Sport solche Leidenschaft in dir weckt, dass du nicht nur vieles probieren willst, sondern mit zwölf Jahren deinen ersten Backflip (Rückwärtssalto, Anm. d. Red.) stehst, beantwortet sich die Frage natürlich leichter, wo der Weg die nächsten Jahre erst einmal lang geht.

Seit 2014 dürfen Sie offiziell an EM- und WM-Wettkämpfen der „Night of the Jumps“ teilnehmen und sind weltweit unterwegs, während Ihre Freunde zu Hause in die Disco gehen – wie vereinbart man die Privatperson und den Sportler in einem?

Ackermann: Es stimmt natürlich, dass wir unglaublich viel unterwegs sind und viele Partys genau dann steigen, wenn ich nicht kann, aber ich kämpfe für meine freie Zeit und nehme mir auch jede Gelegenheit, zu Hause etwas mit meinen Jungs zu unternehmen. Natürlich darf das tägliche Training mit Laufen, Fahrradfahren und Fitnessstudio dabei nicht leiden – da braucht es schon einiges an Disziplin (lacht).

Wer Extremsport betreibt, weiß, dass das Risiko ein steter Begleiter ist. Ihr Sturz samt Schulterblattbruch 2012 hat Sie da ja im wahrsten Sinne des Wortes auf den Boden der Tatsachen zurückgeworfen – ändert so etwas die eigene Sicht auf die Gefahr, mit der man jeden Tag konfrontiert ist?

Ackermann: Bis jetzt hat noch kein Sturz meine Ansicht wirklich geändert, was aber auch an meiner Überzeugung liegt. Jedes Mal, wenn ich mit Knochenbrüchen beim Arzt saß, war meine erste Frage: Wann kann ich wieder fahren? Natürlich analysiert man auch die Ursachen, damit das nicht wieder passiert, aber am Ende ist es Respekt, den du hast und keine Angst, bei der viel schneller etwas passieren würde.

Wie oft beschäftigt man sich wirklich mit Gedanken, wann Schluss sein und was eigentlich danach kommen soll?

Ackermann: Ich bin ein Mensch, der sich damit sehr viel beschäftigt. Ich habe viele Sportler gesehen, die diesen Sport sehr lange und mit vielen Brüchen vielleicht zu lange betrieben haben, um danach noch den Sprung in etwas Neues zu schaffen. Ich will den Absprung unbedingt rechtzeitig genug machen, ohne meinem Körper dabei zu viel Leid anzutun.

Wenn man Ihre beachtliche Weltrekordliste samt dem jüngsten Eintrag mit dem Double Backflip in Berlin betrachtet, stellt sich die Frage: Ist das pure Ambition, oder sind es die Fans, denen man es zeigen will?

Ackermann: Auf der einen Seite ist es die persönliche Motivation, die mich antreibt – und die brauchst du auch. Die Konkurrenz schläft nicht, alle trainieren absolut am Limit und wollen sich natürlich auch behaupten. Auf der anderen Seite ist es auch ein gigantischer Ansporn, wenn du siehst, wie dir 10 000 Leute in der Arena zujubeln und nur darauf warten, dass du deine besten Tricks auspackst.

Nun steht mit der „Night of the Jumps“ das Europameisterschaftsfinale bevor – wenn man so viele Shows pro Jahr springt, bleiben da besondere Erinnerungen im Kopf?

Ackermann: Bei dem Leben, das wir in der Szene führen, kann man sich nicht an jede Show erinnern, vor allem, weil man bei engem Zeitplan oft auch nicht die Zeit hat, wirklich etwas von der Stadt zu sehen. Umso mehr behältst du die besonderen Abende im Kopf, und da gehört dieser hier seit Jahren für mich dazu. Die riesige SAP Arena, die begeisterten Zuschauer – die Stimmung ist der Wahnsinn. Bei solchen Bedingungen macht es unendlich Spaß.