Mannheim

Jünger werden?

Haben Sie sich einmal die Frage gestellt, wie man Jünger wird? Hier geht es nicht um ein in der Werbung suggeriertes Verjüngen von Haut, Geist oder Gelenken. Nein, es geht um Nachfolge, um die Frage, wie werde ich Jünger Jesu. Sie denken, Sie wären nicht gemeint? Wenn Sie sich da mal nicht irren. Gehen wir auf Entdeckungsreise.

Ein Blick in die Bibel hilft weiter. Zunächst ist es Gott, der Initiative ergreift. Jesus begegnet Menschen, berührt sie – mitten in ihrem Alltag und auf vielerlei Weise. Er geht auf sie zu bei ihrer Arbeit (zum Beispiel dem Fischen), begegnet und lehrt sie in der Natur (beispielsweise am See Genezareth) und heilt ihre Krankheiten und Gebrechen (etwa den blinden Bartimäus). Und in jeder Begegnung mit Jesus lassen sich diese Menschen berühren, ansprechen, wird etwas in ihnen angerührt, dass ihrer Sehnsucht entspricht.

Nähe zu Jesus tut einfach gut

Und dann? Lernen die Menschen diesen Jesus näher kennen. Hören ihm zu, wenn er von Gott, dessen Liebe zu den Menschen und dem Reich Gottes erzählt. Erleben, wie er sich den Menschen zuwendet, den Kranken und Hilflosen, den Kindern und Erwachsenen, den Mächtigen und Ausgestoßenen. Sie sind dabei, wenn er heilt, lehrt und das Brot bricht. Und in alldem erleben sie, dass ihre tiefe innere Sehnsucht hier Nahrung und Ruhe findet. Die Nähe zu Jesus tut einfach gut.

Und dann, wenn alles gerade so vertraut, heimelig, bequem, schön, erholsam und einfach scheint, erfolgt die Sendung: „Geht hinaus in alle Welt!“ Jünger sein ist keine Wellnesskur nur für mich im stillen Kämmerlein. Das, was jeder in der Begegnung mit Jesus erfahren hat, gilt es umzusetzen. Die Begegnung verändert: Versöhnung, Teilen und Veränderung schlechter Angewohnheiten ist nun möglich. Und das, was Menschen damals erfahren haben, erzählen sie weiter, stecken an mit ihrer Begeisterung, sind bereit, für ihre Beziehung zu Jesus Risiken einzugehen.

Wie einem Freund erzählen

Alles gut und schön, damals vor 2000 Jahren. Da war die Welt anders, aber wie geht das heute? Ich glaube in ähnlicher Weise. Auch heute ergreift Gott die Initiative, begegnet uns auf vielerlei Weise und legt eine Sehnsucht in jeden von uns. Dass Sie bis hierhin gelesen haben, zeigt irgendwie, dass Sie das Thema neugierig macht. Wonach sehnen Sie sich? Kennen Sie in Ihrem Leben schlechte Angewohnheiten, Unversöhntes, Schmerzhaftes oder Staunen über Natur, Momente der Freude, inneren Frieden? In alldem möchte Gott uns begegnen.

Wenn Sie solche Erfahrungen kennen, liegt es an Ihnen, ob Sie Gott in alledem Raum geben, ihm wie einem Freund erzählen, wo Sie Veränderung wünschen oder Freude erfahren. Sie werden sehen, was am Anfang noch ungewohnt und mühsam erscheint, wird nach und nach leicht und bereichernd.

Und dann bin ich Jünger? Fast. Denn auch an uns Menschen des 21. Jahrhunderts ergeht die Aufforderung: „Geht hinaus in alle Welt und baut mit am Reich Gottes!“ Und die Welt, die Jesus meint, beginnt schon an der Kinderzimmertür, der Nachbarwohnung, dem Büro des Arbeitskollegen oder im Luisenpark. Und das Reich Gottes ist Gerechtigkeit, Friede und Freude, sagt die Bibel. Also dort, wo ich es in meinem Umfeld ein kleines Stück gerechter, friedlicher und freudiger mache, da bin ich Jünger! Probieren Sie es aus – es fühlt sich gut an.

Dr. Christiane Martin

Katholische Stadtkirche

Heidelberg