Mannheim

Schule Festival bringt Schüler aufs Parkett / „Popping“, „Street Dance“ oder Show-Tanz: Lernen, Gefühle und Gedanken auszudrücken

Jugendliche kommen in Bewegung

Blitzschnelle roboterartige Bewegungen im mal schnellen, mal langsamen Takt der Musik: Der Tanztrainer „Twin Rowdy“ (Denis Osmoni) aus Saarbrücken zeigte bei der Premiere des Festival Nord „Tanz an Schulen“ unter großem Jubel in der Kerschensteiner Gemeinschaftsschule, was er drauf hat. „Popping“ wird dieser variantenreiche und anstrengende „mechanische“ Stil im Breakdance genannt.

Doch ansonsten waren Frauen und Mädchen die Stars des Abends: Jo Escobar trainierte an dieser Schule und an der Realschule Sandhofen die Akteure, die an diesem Abend in schneller Folge auftraten. Sie ist auch Mitglied der „Roulette Rangerz“, die rein weibliche Gruppe begeisterte die rund 200 Gäste des Festivals mit einer ausgefeilten Choreographie zum Song „Stereotypes“ des Duos „Black Violin“. Dies auf hohem Niveau: Die Tänzerinnen erreichten bei der Street-Dance-Weltmeisterschaft 2015 einen 5. Platz.

Die Wut heraustanzen

Ein Höhepunkt der rund einstündigen Show war das „One-One-Battle“, Schülerin Melissa Toretta (15) gewann es. Dies ist ein Wettbewerb, bei dem sich je zwei Tänzer spontan zu Musik bewegen und der bessere eine Runde weiterkommt. Dabei wurde sie von Sprechchören angefeuert. Die 15-Jährige möchte später das Tanzen vielleicht professionell betreiben: „Anstatt daheim zu sitzen gehe ich auch in meiner Freizeit tanzen. Das lenkt von vielem ab.“

Seit einem Jahr ist Melissa Toretta bei der Gruppe „Sakuna“ dabei, die ebenfalls von Jo Escobar geleitet wird. Die Trainerin erklärt, dass sie bei den Kursen für die Schulen wert darauf legt, dass jeder Schüler seine Spezialitäten oder Stärken entwickelt: „Manche trauen sich nicht allein zu tanzen, können aber super Showtanz in der Gruppe.“

Und ihr ist auch die sozialpädagogische Betreuung wichtig: Zum Beispiel, wenn ein Kind Probleme zu Hause hat oder sich nur schwer in der Gruppe einzufügt. Zu den Schülern sagt Escobar dann beispielsweise „Wenn du wütend bist, tanze und lasse die Wut heraus“ und offenbart im Gespräch mit dieser Zeitung: „Ich bin selbst in einem Heim aufgewachsen.“

Finalgegner von Melissa war beim „Battle“ Sertan Ispir (12). Der Sechsklässler der Kerschensteiner Gemeinschaftsschule sagt zu den Kursen: „Man hat Spaß und lernt viel.“ Beim „Battle“ wurde „Freestyle“ getanzt, also spontan. Bei dem rund einstündigen Festival traten jedoch vor allem Gruppen auf, die einstudierte Shows zeigten. Auch die Moderation, Beleuchtung und Mischpult wurde von Schülern übernommen – die Rektorinnen und Lehrer der beiden Schulen sahen dabei zu. Gaby Schlenker ist an der „Kerschensteiner“ Ganztagskoordinatorin. Sie betont: „Jeder will in die Kurse!“ Ein Viertel der Schüler möchte Street Dance machen. Zwei Klassen machen dies im Rahmen des „Talentfachs Sport“, also im Unterricht. Und zusätzlich gibt es eine Arbeitsgruppe.

Körperbewußtsein fördern

Geprobt wurde für das Festival ein Schuljahr lang wöchentlich, direkt vor der Aufführung zusätzlich. Karin Adi, Lehrerin an der Sandhofenrealschule, nennt einen weiteren, wichtigen Aspekt: „Zum ersten Mal haben die beiden Schulen zusammengearbeitet.“

Hintergrund: „Tanz an Schulen“ ist seit 2010 ein Förderprogramm für Mannheimer Schulen, derzeit sind vier dabei. Veranstalter ist die Jugendförderung des Fachbereichs Kinder, Jugend und Familie – Jugendamt in enger Kooperation mit den Schulen. Dabei lernen Jugendliche unter professioneller Anleitung, sich zu bewegen und mit ihrem Körper Gefühle und Gedanken auszudrücken. Durch den Tanz sollen der natürliche Bewegungsdrang und das Körperbewusstsein der Jugendlichen gefördert werden. Das Angebot richtet sich an Schüler und Schülerinnen der Klassen 7 bis 10 und wird jeweils ein ganzes Schuljahr lang durchgeführt. Bezahlt wird es zum Großteil von der Stadt.