Mannheim

Berufsakademie Professorin lobt familiäres Umfeld / Riesaer Studentin spricht über Ost-West-Gefühl

Junges Leben an der Elbe

Immer wieder gibt es Menschen in Riesa, die einen Bezug zu Mannheim haben. Auch in der Berufsakademie Sachsen. Dort arbeitet Katja Soyez (Bild oben). Sie ist Leiterin des Studiengangs Dienstleistungsmanagement. Geboren ist sie in Chemnitz. Studiert hat sie an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Mannheim – damals hieß sie noch Berufsakademie. 1998 bis 2001 war sie dort. Gelebt hat sie in Frankfurt.

Soyez hat viel mit ihren Studenten zu tun. 450 werden an der Riesaer Berufsakademie ausgebildet. Eine davon ist Lara Sauer (Bild unten). 20 Jahre alt, geboren und aufgewachsen in Riesa – nun macht sie hier auch ihr Duales Studium. Angestellt ist sie bei den Stadtwerken ihrer Heimatstadt. Wie lebt es sich hier als junger Mensch? „Es gibt ein Studentenleben hier“, sagt Sauer. „Das ist vielleicht nicht so ausgelebt, wie man sich das an einer großen Uni vorstellt.“ Wohnheim- und Mensapartys, Campusfest, Weihnachtsmarkt. Und wenn mal nichts ansteht, gibt es zwei Pubs in Riesa, die gern und gut besucht sind, erklärt Sauer. Eine weitere Bar gibt es auch. „Aber die schließt, wegen Personalmangels.“

Viele Studenten würden pendeln. Von Dresden, Leipzig, aus den umliegenden Ortschaften. „Da machen die Studenten einiges dann auf dem Campus – oder gehen eben gemeinsam in die größeren Städte in der Nähe“, sagt Soyez. Dresden ist mit dem ICE eine halbe Stunde entfernt. Leipzig nicht viel weiter. „Es ist alles hier ein bisschen familiärer, man kennt sich untereinander. Auch die Studenten.“ Das habe Soyez bei ihrem späteren Studium an der TU Dresden anders erlebt. Da finde man schwerer Zugang. „Hier gibt es einen richtigen Zusammenhalt, ein enges Netzwerk. An den großen Lehrstätten wusste man manchmal nicht mal, wer da neben einem sitzt“, sagt sie. Diese enge Bindung, die schätzt Soyez hier sehr. Die hat sie auch in Mannheim schon geschätzt.

Von Bildungschancen beeindruckt

Mannheim ist keine Stadt, die auf den ersten Blick überzeugt, findet Soyez. „Aber man sagt ja: Man weint in Mannheim zweimal – wenn man kommt und wenn man geht.“ Soyez kannte die DDR. Sie wurde 1979 geboren. Kann sich noch an vieles aus ihrer Kindheit erinnern. Die Offenheit in Mannheim und die Bildungsmöglichkeiten haben sie beeindruckt. Lara Sauer hingegen ist 1999 geboren. Hat nichts von einer Mauer mitbekommen – sie kennt sie natürlich, sie ist ein Stück deutsche Geschichte. Dass es einmal zwei Länder hier gab, das spürt sie im Alltag aber nicht. Aus Erzählungen, ja. „Meine Eltern und Großeltern haben das alles miterlebt. Für mich ist das aber unvorstellbar.“ Man kennt es ja nur so, sagt sie. Dass einem alle Freiheiten gegeben sind. Dass man überall hin kann. Das Thema ist aber immer noch präsent. In den Köpfen der Menschen. jor/Bilder: BA Sachsen/Sauer

Zum Thema