Mannheim

Rosengarten Anwaltstag beginnt heute / Erstmals von fünf Anwaltvereinen der Metropolregion zusammen ausgerichtet

Juristen beraten über neue Fehlerkultur

Archivartikel

Mannheim.Über 1800 Juristen aus dem gesamten Bundesgebiet und dem benachbarten Ausland werden heute im Rosengarten erwartet. Bis Freitag ist er Schauplatz vom 69. Deutschen Anwaltstag, ausgerichtet vom Deutschen Anwalt-Verein. Er führt jährlich Anwaltschaft, Justiz, Politik und Wissenschaft zusammen – und nach 1907, 1955, 1985 und 2007 zum fünften Mal in Mannheim.

Und doch ist diesmal etwas ungewöhnlich: Zur Vorbereitung haben sich erstmals der Mannheimer Anwalt-Verein und die Anwalt-Vereine von Frankenthal, Heidelberg, Ludwigshafen und Speyer zusammengetan, eine gemeinsame Arbeitsgemeinschaft gegründet. „Wir werden damit den Gedanken der Metropolregion Rhein-Neckar noch mehr in die Anwaltschaft tragen und freuen uns, den Kollegen die Metropolregion vorzustellen“, so Ralph Landsittel, der Vorsitzende des etwa 750 Mitglieder zählenden Mannheimer Anwalt-Vereins. Er wird selbst auch einen Vortrag halten mit dem Thema „Die Badische Revolution – Anwälte brachten Demokratie, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit nach Deutschland“.

Für den zentralen Begrüßungsabend haben sie am Donnerstagabend die Kunsthalle angemietet. Es ist das erste Mal, dass der gerade eröffnete Neubau bei einem großen Kongress einbezogen wird. Die zweite große Abendveranstaltung findet dann am Freitag auf dem Heidelberger Schloss statt.

Insgesamt umfasst der Anwaltstag, eine der größten anwaltlichen Fortbildungsveranstaltungen, 50 Vorträge und 65 Fortbildungseinheiten mit zusammen 200 Referenten, dazu eine Fachausstellung mit 70 Anbietern, Verlage ebenso wie Versicherungen und Softwareanbieter. Zur offiziellen Eröffnung am Donnerstagmorgen wird Bundesjustizministerin Katarina Barley zu einem Grußwort erwartet. Danach hält Kenneth Feinberg den Festvortrag, Amerikas berühmtester Entschädigungsspezialist und bekannt geworden durch den Kinofilm „Playing God“.

Ungewöhnlich ist nicht allein der große Kreis von fünf gastgebenden Anwaltvereinen, sondern auch das Motto der Veranstaltung: Es lautet „Fehlerkultur in der Rechtspflege“. Das habe intern „einige Diskussionen ausgelöst, ob ein solches Motto sich für eine Tagung von Anwälten eignet“, räumt Swen Walentowski, der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Deutschen Anwalt-Vereins, ein.

Opferschutz und Familienrecht

„Gerade ist es doch die Kompetenz, die von der Anwaltschaft erwartet wird. Ein Fehler kann direkt zur Haftung führen. Die Möglichkeit von Fehlern anzusprechen scheint daher gerade widersinnig zu sein“, so Walentowski. Man sei aber überzeugt, „dass es dennoch zeitgemäß ist, über die Fehlerkultur in der Rechtspflege nachzudenken“. Es sei „wichtig, dass die Rechtspflege sich insgesamt mit ihrer Fehlerkultur auseinandersetzt, die ohne Zweifel besser werden kann“, glaubt er.

Weitere Veranstaltungen widmen sich etwa unter der Überschrift „Für immer gezeichnet – und verloren im Recht?“ dem Opferrecht, es geht um den Reformbedarf im Familienverfahrensgesetz und im Kindschaftsrecht, den geschlechtsspezifischen Lohnunterschied in der Rechtspflege und ganz viele praktische Fragen des Arbeitsalltags. Aber auch „Die Wahrung der Menschenrechte vor Internationalen Tribunalen“ oder der Rechtsstaat in der Türkei sind weitere Themen.