Mannheim

Gesprächsrunde Diskussion um "Die Macht des Wortes"

Kabarettist lobt Luther

Mannheim."Das Wasser allein macht nicht die Taufe, es braucht das Wort dazu." Mit diesem Satz verdeutlichte die evangelische Pfarrerin Heike Springhart die Macht des Wortes, um die es am Samstagabend im "Haus der evangelischen Kirche" in M1 ging. Neben Springhart beteiligten sich der Sprachwissenschaftler Ludwig Eichinger vom Institut für Deutsche Sprache und der Literaturwissenschaftler Jochen Hörisch von der Universität Mannheim an der Diskussionsrunde "Die Macht des Wortes - Fluch und Segen". Aufgelockert wurde die Runde durch den Kabarettisten Arnim Töpel, der die Veranstaltung mit knapp 50 Zuschauern immer wieder mit kleinen musikalischen Einheiten und Anmerkungen bereicherte.

Volkssport "Uffregerles"

So wies Töpel zu Beginn unter Gelächter darauf hin, dass viele "für das, was sie ihren Mitmenschen zu sagen haben, eigentlich nur den Mittelfinger bräuchten". Zudem bescheinigte er seinen Mitmenschen eine wachsende Kritikfreude, die er als den neuen Volkssport "Uffregerles" bezeichnete. Diese Freude an kritischen Worten brachte Töpel aber auch mit Martin Luther in Verbindung, der bekanntermaßen gesagt haben soll: "Wenn ich gut schreiben, beten und predigen will, muss ich zornig sein."

Eichinger gab in Zeiten von "Fake News" die politische Dimension der "Macht des Wortes" zu bedenken: "Was früher nur ein Gerücht war, wird heute niedergeschrieben." Hörisch, der sich selbst als "ungläubiger Kulturprotestant" bezeichnete, gab sich zu einer Lobpreisung Luthers hin: "Ich falle auf die Knie und bete an. Es ist irre zu sehen, welche Brisanz bei Luther bis heute zu finden ist." Während die Runde einstimmig an die Macht des Wortes glaubte, knüpfte Hörisch noch einmal an das Beispiel der Taufe an und erweiterte die Diskussion damit noch um eine weitere Ebene: "Was man mit Worten machen kann, ist an institutionelle Rahmen gebunden." So gebe es in der evangelischen Kirche bei Taufen immer wieder die Diskussion, ob das Wort von Laien-Pfarrern gleichwertig sei. "Wer darf was sagen und in welchem Namen?" dürfe bei der Debatte um die Macht der Worte daher nicht unterschlagen werden. gbr

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