Mannheim

Geburtstag Langjähriger Vorsitzender Georges Stern wird 75

Kämpfer für jüdisches Leben

Archivartikel

Sein Auto hat er abgeschafft. Er leiht sich nur gelegentlich einen Wagen und fährt meist mit dem Rad – ob ans Strandbad oder zu seinen Baustellen. Denn Georges Stern ist unverändert sportlich und weiter unternehmerisch in der Immobilienbranche aktiv. Heute wird der langjährige, von 1980 bis 1992 amtierende Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Mannheim 75 Jahre alt.

Geboren ist er in Frankreich – weil den Eltern, obwohl mit fast allen Juden aus Baden und der Pfalz ins Lager Gurs deportiert, die Flucht gelang und sie dann in Lyon unter falschem Namen überleben konnten. So entgingen sie der Vernichtung durch die Nationalsozialisten. Und auch wenn er nicht in Mannheim auf die Welt kam – Georges Stern ist durch und durch Mannheimer. Er wuchs in den Quadraten auf, kickte beim VfR (der Vater war Mitgründer), ist schlagfertig und direkt, engagiert und wird von seinen Freunden gerne ein Schlitzohr genannt.

Das zeigt sich im Foyer des Jüdischen Gemeindezentrums in F 3. Dort, in der Gedenkwand mit den Worten des Propheten Jeremia („Dass ich beweinen könnte Tag und Nacht die Erschlagenen der Tochter meines Volkes“) befinden sich Sandsteinquader der alten, von den Nationalsozialisten zerstörten Hauptsynagoge. Georges Stern hat sie entdeckt, an einem Gartengrundstück in Käfertal – und sie dem Mann einfach kurzerhand abgekauft.

Beharrlichkeit und Einsatz

Nicht lange reden, sondern anpacken – das ist sein Grundsatz. Als Jugendlicher durfte er seine Bar Mizwa (religiöse Mündigkeit) als erster Junge der Gemeinde in der damals neuen, ersten Nachkriegssynagoge in der Maximilianstraße feiern. Dass es dann gelungen ist, 1987 das neue Jüdische Gemeindezentrum in F 3 zu bauen und auch gut zu finanzieren, ist seinem sehr engagiertem Einsatz, seinem großen Verhandlungsgeschick, aber auch seiner enormen Beharrlichkeit zu verdanken.

Als Vorsitzender des Oberrats in Karlsruhe sowie Mitglied des Zentralrats verfügte er über viele Kontakte und genießt bis heute hohes Ansehen. Ihm war es wichtig, dass Jüdisches Leben wieder ganz selbstverständlich mitten in den Quadraten möglich ist. Aber er war und ist auch stets ein großer Kämpfer dafür gewesen, dass sich die Jüdische Gemeinde zwar auf ihre Traditionen besinnt und diese pflegt, doch sich stets nach außen öffnet.

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