Mannheim

Porträt Joana spricht zum 75. Geburtstag über ihre neue CD und die anhaltenden Spätfolgen ihres Unfalls vor neun Jahren

Kämpferisch wie immer

„Im Kopf jung – awwer, wie ma in Mannem sagt: Mit Dodderknie!“ Humorvoll antwortet Joana auf die Frage, wie sie sich fühlt. Denn heute wird die 1994 mit dem Bloomaulorden ausgezeichnete Sängerin 75 Jahre alt. „Und ich glaubs kaum“, sagt nicht nur sie. Wenn man sie sieht, sie erlebt, wenn sie von ihren Plänen und Aktivitäten spricht, ja energiegeladen und fröhlich sprudelt, dann glaubt man es wirklich kaum. Zum Geburtstag hat sie sich und ihren Fans eine neue CD geschenkt.

„Den Gedanken zu diesem Projekt trage ich ja schon sehr lange in mir“, erzählt Joana. Mit den Arbeiten begonnen hat sie dann 2016. Einige Monate war sie jetzt im Studio, denn die Perfektionistin feilt gerne am guten Klang, ja an jedem Ton. Und nun ist die Silberscheibe fertig, die Mitte November erscheinen wird. „Tun wir was dazu – Lieder aus der Zeit der Deutschen Revolution 1848/49“ heißt die selbst produzierte CD.

Von „Die Gedanken sind frei“ bis zu „Trotzalledem“ reicht das Spektrum. „Diese Lieder sind teilweise so aktuell, dass man glauben könnte, sie seien eben geschrieben worden“, so Joana. Einzelne der insgesamt 19 Titel hat sie immer mal wieder in ihren diversen Bühnenprogrammen gesungen. „Ich wollte seit langem eine Auswahl dieser Lieder, die zu unserer oft vergessenen Demokratie-Geschichte gehören, ein eigenes Album widmen“, sagt sie.

Probleme mit Hand und Arm

Jetzt freut sie sich, dass sie die Produktion verwirklichen konnte. Ein informatives Booklet hat Bernd Köhler gestaltet, und zu ihren beiden langjährigen Musikerfreunden Adax Dörsam und Peter Grabinger kamen für einzelne Aufnahmen Gitarrist Claus Boesser-Ferrari, Matthias Dörsam mit der Bassklarinette und Kontrabassist Maurice Kühn dazu. Auftreten will sie nun auch wieder häufiger. Die Premiere ihres neuen Programms ist am 29. November im Marchivum geplant.

Zuletzt war es ein bisschen ruhiger geworden um Joana – und das nicht nur wegen der Monate im Studio. Letztlich leidet sie immer noch an den Spätfolgen eines Unfalls. Bei einem Auftritt in Rheinstetten war sie im November 2010 so unglücklich an einer Treppe hinter der Bühne gestürzt, dass sie sich ausgerechnet an beiden Armen etwas gebrochen hatte. Sie musste mehrfach operiert werden, hatte lange starke Schmerzen und die alte Beweglichkeit ihres Arms nie wiedererlangt.

„Natürlich ist nichts mehr wie vorher“, sagt sie. Statt Soloauftritten hat sie immer ihre beiden „wunderbaren“, wie sie betont, musikalischen Begleiter an ihrer Seite. „Aber ich habe mich durch ständige disziplinierte Hand- und Armgymnastik soweit gebracht, dass ich bei meinen Konzerten sogar wieder einige Lieder mit meiner Gitarre begleiten kann – trotz negativer Prognosen meiner damaligen Ärzte“, betont sie.

Es sind Momente, in denen sie sehr kämpferisch, aber auch optimistisch klingt – was zur neuen CD mit Revolutionsliedern ebenso passt wie zu ihrem ganzen Leben. Schließlich ist sie eine Frau, die zwar einerseits mit ihrer sympathisch warmen Altstimme eine warmherzige Stimmung zu erzeugen vermag. Aber neben Liedern fürs Herz, neben sanftmütig-schmeichelnden, auch herrlich-ironischen Titeln oder sanften Balladen ist Joana auch stets die Sängerin für Kopf und Hirn gewesen, mit sehr nachdenklichen Titeln. Mal mit politisch-kritischen, ja auch kräftig kämpferischen Chansons.

Daher ist sie ihr Leben lang eigentlich auch stets Einzelkämpferin. Eigentlich hätte sie die perfekte Stimme, auch Charme, Ausstrahlung und Redegewandtheit gehabt, um ein wirklich großer Star zu werden. Die Chance war da. Doch dazu hätte sie, wie von den Plattenfirmen verlangt, Schnulzen singen müssen – sprich sich verbiegen müssen. Aber Joana wollte nie ein Star, sondern immer sie selbst sein.

Von Beruf Lehrerin

Auf der Bühne steht sie seit immerhin 70 Jahren. Schon Legende ist ja die Geschichte, dass sie als Fünfjährige bei der Kinderfasnacht im Rosengarten auf einen Stuhl stieg, ein Glückstein-Gedicht vortrug, später als Schülerin bei „Jekami“-Abenden (Jeder kann mitmachen) sang. 1964 war ihr erster Fernsehauftritt in Peter Frankenfelds Show im ZDF.

1971 erschien die erste Platte mit eigenen Liedern. Doch die auf dem Pfingstberg aufgewachsene Hansi Emetz, wie sie richtig heißt, studierte zunächst Lehramt, unterrichtete auch und entschied sich erst 1973 für den Sängerberuf. Es folgten Auftritte in ganz Deutschland, aber auch im Auftrag des Goethe-Instituts in Skandinavien, Italien, Tunesien, Algerien, Marokko. Mit dem Herz bleibt sie immer in Mannheim.

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