Mannheim

Energiewende Diskussion über Kohleausstieg und Zukunft des GKM / Oberbürgermeister Kurz: Beispielloser Umbau des Wirtschaftssystems

Kampf um Klimaschutz und Arbeitsplätze

Archivartikel

Um es gleich vorwegzunehmen: Eine abschließende Antwort auf die Frage des Abends haben die Teilnehmer der Diskussionsrunde am Dienstag im Casino des Capitols auch nicht gefunden. „Herausforderung Klimaschutz und Arbeitsplätze – Welche Lösungsansätze gibt es?“, lautete das Motto, das der Initiator – der Landtagsabgeordnete Stefan Fulst-Blei (SPD) – wählte, weil er selbst auf der Suche sei. Und so zog er nach der zweieinhalbstündigen Debatte, die trotz „des großen C“ stattfand, das Fazit: „Die Suche geht weiter.“

Zuvor hatten die vier Referenten und rund 60 Besucher über die Energiewende und den Kohleausstieg diskutiert; insbesondere über das Grosskraftwerk Mannheim (GKM), das größte deutsche Steinkohlekraftwerk; und über die zehn Forderungen, die die „Fridays for Future“-Gruppe Mannheim aufgestellt hat und in denen sie etwa die Klimaneutralität Mannheims und das Abschalten des GKM bis 2030 verlangt.

Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD) betonte dabei, dass es um mehr gehe als den Klimaschutz allein, nämlich um eine Strategie der Nachhaltigkeit: „Wir brauchen eine zirkulare Wirtschaft. Das ist eine fundamentale Veränderung, die in der Geschichte ohne Beispiel ist.“ Gelingen könne die Transformation nur, „wenn wir sie auch in den Betrieben hinbekommen“.

Das sei jedoch nicht so einfach, berichtete Klaus Stein, erster Bevollmächtigter der IG Metall Mannheim: „Ich spüre eine zunehmende Radikalisierung in den Belegschaften.“ Darum sei es auch wichtig, dass es „Sicherheit im Wandel“ gebe.

Die Zeit drängt jedoch, warnte Friederike Schmahl von „Fridays for Future“ Mannheim, die nach eigenen Angaben zum ersten Mal an solch einer Runde teilgenommen hat: „Wir haben nur noch zehn Jahre Zeit, um das 1,5 Grad-Ziel nicht zu überschreiten. Deshalb muss die Welt 2030 klimaneutral sein.“

Doch die Uhren ticken unterschiedlich, erklärte Politikwissenschaftlerin Jale Tosun. Die Erde erwärme sich zwar sehr schnell, und die Folgen seien dramatisch: „Aber gesellschaftliche Anpassungsprozesse brauchen Zeit.“

Ebenso wie die Suche nach Antworten auf komplexe Fragen. Dennoch dürften die meisten Besucher ähnlich wie Marius Moritz zufrieden nach Hause gegangen sein: Die Politiker seien zwar oft abgeschweift. „Aber das Herkommen hat sich auf jeden Fall gelohnt.“

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