Mannheim

Arbeit Björn Jacobi hat starke Rückenschmerzen und musste seinen Job als Schlosser aufgeben / Gutachter bescheinigen ihm aber Erwerbsfähigkeit

Kampf um Rente: Entscheidung soll jetzt fallen

Archivartikel

Björn Jacobi liegt die meisten Zeit. Der 54-Jährige hat starke Rückenschmerzen, so stark, dass er kaum etwas machen kann. „Meine Wirbelsäule tut permanent weh“, sagt er. Dann verzieht er sein Gesicht, richtet sich kurz auf. Er könne nicht mehr sitzen, müsse sich hinstellen. „Die Schmerzen bestimmen meinen Alltag“, sagt der Eppelheimer, der heute mit seiner Frau Gabriele Jacobi erneut zum Mannheimer Sozialgericht fährt. 2014 hat der gelernte Tresorschlosser einen Rentenantrag gestellt, weil er nicht mehr arbeiten könne. Dieser wird von der Deutschen Rentenversicherung seitdem immer wieder abgelehnt.

Verschiedene Neurologen haben in Gutachten festgestellt, dass Björn Jacobi arbeiten könne – mit Einschränkungen wie etwa einer Arbeitszeit zwischen drei und sechs Stunden, einer Tätigkeit, bei der er oft Pausen machen, sich hinstellen und hinlegen könne, nicht weit laufen müsste. „Welchen Job soll ich finden?“, fragt der 54-Jährige. „Mit meiner Erkrankung und mit meinem Alter wird mich doch keiner nehmen.“ Als er in seinem gelernten Beruf aufgrund der Rückenprobleme nicht mehr arbeiten konnte, hat er eine Weiterbildung gemacht – „und dann 200 Bewerbungen geschrieben, erfolglos.“

„Als Simulant hingestellt“

Auf das neueste Gutachten eines Neurologen werde aber in den Berichten vom Medizinischen Dienst der Rentenversicherung nicht eingegangen, erzählt Gabriele Jacobi. „Mein Mann wird als Simulant hingestellt.“ In diesen Ausführungen werde laut Jacobi der Gesundheitszustand nach Aktenlage beurteilt. „Mein Mann soll demnach immer noch mindestens sechs Stunden arbeiten und mit öffentlichen Verkehrmitteln zur Arbeitsstelle fahren können. Das ist für mich wirklich unvorstellbar. Ich bekomme seinen Gesundheitszustand täglich und auch nachts direkt mit“, sagt die 65-Jährige dieser Zeitung. Mit gemischten Gefühlen geht das Ehepaar aus Eppelheim, wie es selbst erzählt, in die heutige Gerichtsverhandlung. Dort soll eine endgültige Entscheidung in dieser Sache fallen. Das Sozialgericht wird die wichtigste Frage klären müssen: Kann Björn Jacobi sechs Stunden am Tag arbeiten? Um 11 Uhr beginnt die Verhandlung.

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