Mannheim

Insekten Riesiges Nest der invasiven Faltenwespen-Art aus dem Wipfel einer Tanne in der Gartenstadt gesägt

Kampfeinsatz gegen Asiatische Hornisse

Mannheim.Die Operation „Hornisse“ läuft am frühen Morgen an, geballte Manpower und ein gewaltiger Kran mit 48 Meter langem Ausleger-Arm sind stundenlang im Einsatz, um das Monster-Nest der asiatischen Spezies aus dem Geäst einer abgestorbenen Tanne zu sägen. Am Ende kann das wunderbare Objekt des Insektenfleißes in voller Größe und Schönheit geborgen werden. Anschauungsmaterial für Biologen und Naturschützer, die diese invasive Art aus Fernost nicht gerne in unseren Breiten sehen.

Eile geboten

Der Schlag gegen die unerwünschte Spezies war in den letzten drei Wochen generalstabsmäßig vorbereitet worden, Naturschutzbeauftragter Gerhard Rietschel, das Regierungspräsidium in Karlsruhe, sowie die Untere Naturschutzbehörde in Mannheim entwickelten zusammen mit dem Kran-Unternehmen Gräser-Eschbach und Schädlingsbekämpfer Thomas Kilian einen Schlachtplan. Vorsicht, aber auch Eile waren geboten. Denn die Asiatische Hornisse, Vespa velutina, die sich nun erstmals in Mannheim festgesetzt hat und ihr Siedlungsgebiet ständig erweitert, soll mit allen Mitteln bekämpft werden. Ernährt sie sich doch vorwiegend von Wespen, Hummeln und besonders gerne Bienen. Imker verfluchen deshalb den Fressfeind, der ihren Völkern auflauert, und EU-weit blasen die Artenschützer zum Sturm gegen die Invasorin, die sich mit dem Klimawandel immer weiter ausbreitet.

Großauftrieb gegen die Gelb-Schwarzen nun also am Ende der Straße Stiller Weg, die Schädlingsbekämpfer Horst Kilian und Felix Arnold rüsten zum Gefecht, sie ziehen die weiße Imker-Montur an, schützen sich mit Atemgerät gegen den möglichen Giftnebel und steigen mit Säge, Astzange und Insektizidspritze wie Mondfahrer an Bord des Käfigs, werden vom Greifarm durch die kalte Morgenluft zur Einsatzstelle in luftiger Höhe geschaukelt.

Ehrfürchtiges Staunen am Boden

Dort oben schwirren noch Hornissen in einem letzten Anflug von Emsigkeit um ihr Nest. Mit einer Dosis des Spezialsprays machen die Profis in Weiß ihnen den Garaus, dann geht’s ans Eingemachte: Das riesige Gebilde zeigt sich erstaunlich solide gebaut, stabil wie Holz, und es ist ja auch aus Holz: Im Frühjahr nagt die Jungkönigin an Kiefer oder Eiche, mischt das Grundmaterial mit Speichel zu einer papierartigen Masse an und klebt den Brei an einem Baumwipfel in luftiger Höhe fest. Das Heer der Arbeiterinnen schafft dann weiter. Nach mehr als zweieinhalbstündigem Einsatz ist das Nest unversehrt geborgen. Am Boden dann ehrfürchtiges Staunen. Eine Kindergartenschar schaut ungläubig, Nachbarn bringen Kaffee für die Durchgefrorenen – Einsatz abgeschlossen, die Saison der asiatischen Hornisse mit toxischer List beendet. Ob es noch rechtzeitig war, wird sich im nächsten Jahr zeigen. Bis zu 30 neue Nester könnten aus so einem alten Bau hervorgehen. räu

Info: Weitere Bilder unter morgenweb.de/mannheim

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