Mannheim

Reiss-Engelhorn-Museen Vorstellung des Buchs von Kardinal Müller / Als Präfekt der Glaubenskongregation abgesetzt

Kein Fan von Franziskus

"Davon verstehen Sie nichts", soll er dem Papst einmal entgegengeschleudert haben - Kardinal Bellarim (1542-1621). Das ist lange her. Doch Gerhard Ludwig Kardinal Müller nennt Bellarim ausdrücklich sein Vorbild, zitiert genüsslich genau diesen einen Satz. So macht Müller in den Reiss-Engelhorn-Museen indirekt, aber doch sehr deutlich klar, was er von Papst Franziskus hält. Der hat ihn nach fünf Jahren als Präfekt der Glaubenskongregation im Juli abgesetzt, und sein Besuch in Mannheim macht deutlich, dass die Wunde noch tief, sehr tief ist.

Gloria von Thurn und Taxis begrüßt "Seine Eminenz" formvollendet "bei uns in Mannheim". Sie hatte die Idee, den aus ihrer Heimat Regensburg stammenden Pupurträger nach Mannheim zur Päpste-Ausstellung einzuladen, um Werbung für sein im Frühjahr erschienenes Buch über die Päpste zu machen.

Die meiste Zeit wird an diesem Abend über ihn geredet. Müller selbst sagt nicht viel. Aber was er sagt, das sitzt und ist als deutliche Distanzierung vom amtierenden Papst zu sehen. Geht es nach Müller, ehemals einer der wichtigsten Männer der Weltkirche und Chef der früher "Römische Inquisition" genannten vatikanischen Behörde, kommt die Theologie heute viel zu kurz.

Anstelle der Kongregation sei das vatikanische Staatssekretariat die wichtigste Behörde. "Diplomatie und Machtfragen haben heute Vorrang, das ist eine falsche Weichenstellung, die korrigiert werden muss", meint der Kardinal. Es sei "immer etwas schiefgelaufen in der Kirche, wenn sie nach der Macht greift". Vielmehr solle der Christusglaube der Mittelpunkt, der Papst allein "Diener des Heils" sein.

Lob für Luther

Ausdrücklich rief er die Christen verschiedener Konfessionen zum "gemeinsamen Zeugnis gegenüber der säkularen, zunehmend christenfeindlichen Welt" auf. Im Moment der Spaltung, 1517, habe der Mönch Luther "berechtigte Kritik" etwa am betrügerischen Ablasshandel geübt, räumt Müller ein. Er hoffe auf weiteres Aufeinanderzugehen von evangelischen und katholischen Christen. Schließlich gebe es eine "gemeinsame Basis, aber weiter "relevante Unterschiede", die man nicht unkritisch "zukleistern" dürfe.

Zuvor hatte Prälat Wilhelm Imkamp in einem humorvollen Einführungsvortrag Müller sowie sein Buch porträtiert. Dabei räumte er ein, dass dessen vatikanische Behörde "nicht den besten charitativen Ruf" habe. Mit dem Buch habe Müller in Form einer "hinreißenden Erzählung" parallel zur Geschichte der Päpste seine eigene katholische Sozialisation geschildert. "Er ist wohl in einen Weihwasserkessel gefallen. Das steht da so nicht, könnte aber so gewesen sein", so Imkamp.

Er würdigte Müller als "großen Theologen, der souverän die Papstgeschichte durchschreitet". Dabei zeige er deutlich auf, dass das 2000 Jahre alte Amt des Papstes "bisher jeden Papst ausgehalten" habe. Stets zeige Müller ein großes theologisches Problembewusstsein, befasse sich mit der Kollegialstruktur der Kirche und dem Einfluss der Kurie auf den Pontifex. Der Ökumene nähere sich der Autor "nur auf Samtpfoten". "Er sieht das Ziel vor sich, greift es nicht an, umarmt es, bis es quietscht", erklärte Prälat Imkamp.

Ein, wie er sich selbst nannte, "Ketzer", der evangelische Theologieprofessor Christoph Makschies, durfte dann das anschließende Gespräch moderieren. Zu Müller und Imkamp stieß Kurienerzbischof Georg Gänswein - sehr charmant und humorvoll im Auftreten, doch hart in der Sache. Von ihm kam weder eine Kritik an Müller noch eine Distanzierung. Bei Frage zu Päpsten sei er "befangen", antwortete Gänswein nur, wies aber "unberechtigte Kritik" an Benedikt XVI. zurück. Klar ließ er durchblicken, dass es im Vatikan eben "Benediktiner" und "Franziskaner" gebe. Franziskus sei aber nicht Nachfolger von Benedikt XVI. "Ein Papst ist nie Nachfolger seines Vorgängers, sondern Nachfolger Petri", stellte er klar.

Als Hindernis der Ökumene nannte er die Vielfalt der Positionen des Protestantismus. Markschies hielt ihm einen "Pluralisierungsschub" und eine "Protestantisierung" in der Katholischen Kirche vor, gebe es doch laute Kritik in der Kurie an Franziskus. "Das sehe ich nicht", sagte Gänswein nur. Kritik am Papst habe es schon immer gegeben, sie sei "nicht verboten".