Mannheim

Verkehr Aktion für einen sicheren Rad- und Fußweg – Eugen-Neter-Schule übergibt Petition an Oberbürgermeister Peter Kurz

„Kein Luxus, sondern ein Recht“

„Eure Petition und dass ihr euch sichtbar gemacht habt, war ein wichtiger Beitrag“, sagte am Montagnachmittag Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD) vor dem Rathaus zu rund 100 Schülern, Pädagogen und Unterstützer der Eugen-Neter-Schule. Sie übergaben Kurz eine Petition – ein rund ein Kilometer langer Trampelpfad soll, so wünschen sie es, zu einem sicheren Fuß- und Radweg werden.

Der Oberbürgermeister sagte zu, dass das Thema im Herbst auf der Tagesordnung des Gemeinderats stehen werde, um einen Grundsatzbeschluss zu fällen. Er gab sich optimistisch, dass der Wunsch erfüllt wird, „hier habe ich Vertreter von vier Fraktionen des Gemeinderats gesehen“. Allerdings werde bei einem entsprechenden Beschluss die Umsetzung nicht schnell erfolgen. Kurz erklärte, dass der Weg durch Staatswald führe und ein Planfeststellungsverfahren nötig sei – und das dauere.

Appell von Schülerin Zlatka

Besonders bedankte sich Kurz bei Schülerin Zlatka (14) für ihr Engagement. Diese hatte im Namen der Schule erklärt: „Wir haben das Recht auf einen sicheren Schulweg. Wir wurden vergessen. Aber wir haben viele Unterstützer in Mannheim und wollen auch Ihre Unterstützung.“ Schulleiterin Silvia Challal sagte gegenüber Kurz: „Wir bauen auf Ihre Worte und die Realisierung und werden uns nicht mehr vertrösten lassen!“ Der Weg werde für Inklusion und Teilhabe benötigt.

Hintergrund: Die Schule liegt am Alten Frankfurter Weg im Norden von Mannheim, nur knapp einen Kilometer von Lampertheim entfernt. Die Lage hat historische Gründe: 1907 gab es dort ein Kinderferienheim der Landmaschinenfabrik Lanz, 1966 wurde an der Stelle die Eugen-Neter-Schule gegründet, die aktuell von über 200 Schülern mit Entwicklungsverzögerungen und Lernbehinderungen besucht wird. 2009 entstand ein Neubau mit 22 Klassenzimmern, und seitdem wünschen sich Pädagogen und Schüler statt des Trampelpfades von der Blumenau einen sicheren Weg.

Die stellvertretende Rektorin Nicole Roggenstein erklärte, dass es zwar einen Schulbus gebe, der aber nur zweimal täglich fahre. Deshalb werde der Weg von der Endhaltestelle der Bushaltestelle Blumenau über den Trampelpfad häufig genutzt. Aber dieser sei holprig, im Winter oft rutschig und im Sommer zugewachsen. Außerdem so schmal, dass Schüler auf Rädern nicht parallel von Lehrern begleitet werden können und er auch mit Dreirädern – manche Schüler benutzen diese – und Kinderwagen nicht befahrbar sei.

Unterwegs seien dort neben Schülern auch Lehrer, Praktikanten und Eltern. Roggenstein: „Wir haben schon eine Lage außerhalb der Gesellschaft. Da abgehängt zu sein und keinen Schulweg zu haben, ist bitter und eine Art von Ausgrenzung.“

Cornelia Kern, Vorsitzende des Unterstützerkreises der Schule, sagte, dass anders als früher mittlerweile rund ein Dutzend Schüler selbstständig per Rad zur Eugen-Neter-Schule kommen. Der Unterstützerkreis fördere die Anschaffung von Fahrrädern finanziell. Der Bau des Weges sei dagegen, so Nicole Roggenstein, „klar Auftrag der Kommune“. Auch Gudrun Höfer sprach sich für den Bau eines sicheren Weges aus, denn die Fahrt über eine parallel verlaufende Straße sei für die behinderten Kinder zu gefährlich. Sie betonte: „Für die Kinder ist es ein Grundbedürfnis, sicher zur Schule zu kommen. Der Weg ist kein Luxus, sondern ein Recht.“ Als Kosten waren vor zehn Jahren rund 500 000 Euro im Gespräch. Gudrun Höfer sagte jedoch, dass bei Ludwigshafen ein mit 2,2 Kilometer deutlich längerer Rad- und Fußweg für 290 000 Euro entstanden sei.

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/mannheim

Zum Thema