Mannheim

Justiz Ehepaar soll Jungen misshandelt haben

Kind gequält: Pflegeeltern vor Gericht

Archivartikel

Ein Ehepaar muss sich wegen körperlicher Misshandlung eines Pflegesohns vor Gericht verantworten. Wie das Amtsgericht gestern mitteilte, stehen der 44-Jährige und seine gleichaltrige Ehefrau ab der kommenden Woche vor Gericht. Beide sollen einen Jungen, der als Pflegekind bei ihnen in der Familie war, körperlich misshandelt haben.

Zu Beginn der Pflege habe sich das Ehepaar noch ordnungsgemäß um den damals dreijährigen Jungen gekümmert, schreibt das Amtsgericht in seiner Mitteilung. Im Juli 2017 soll der Pflegevater das Kind dann zumindest einmal geschlagen haben.

Unterernährt und mit Hämatomen

Seine 44-jährige Ehefrau soll ab diesem Zeitpunkt ihren Pflegesohn gequält und misshandelt haben, „indem sie dem Jungen für mehrere Wochen keine oder nur unzureichend Nahrung gegeben habe, zur Züchtigung mit kaltem Wasser abgeduscht sowie ganze Haarbüschel herausgerissen habe“, schreibt das Gericht. Dem angeklagten 44-Jährigen sollen diese Umstände bekannt gewesen sein und er soll diese nicht verhindert haben. Juristisch hat er sie also dem Vorwurf zufolge durch Unterlassen gefördert.

Der Junge sei unterernährt, mit mehreren Hämatomen und Verletzungen, einem Schlüsselbeinbruch sowie einer Leberprellung ins Mannheimer Universitätsklinikum eingeliefert worden. Aufgrund der Verletzung habe das Kind dort zehn Tage stationär behandelt werden müssen, so die Anklage.

Pflegeeltern nehmen dauerhaft oder zeitlich befristet Kinder auf, die vom Jugendamt aus ihrer eigenen Familie genommen werden, weil sie dort unter Umständen gefährdet seien könnten.

Der Prozess beginnt am kommenden Dienstag, 12. Februar, um 9 Uhr vor dem Amtsgericht. bro