Mannheim

Erkennen sie Mannheim? (Folge 133) Ehemaliges Hotel Rheinhof in der Tattersallstraße 2 / Leserin erinnert sich an ihr Elternhaus

Kindheitsglück im dritten Stock

Mannheim.Gewagte Kunststücke auf Rollschuhen, verbotene Chemie-Versuche im Kinderzimmer, drei Schneemänner auf dem Bahnhofsdach und ein Steinmetz, der einst mithalf, die prächtigen Jugendstilornamente Schicht für Schicht freizulegen und zu restaurieren: Es sind witzige, überraschende – aber auch berührende Erinnerungen, die so mancher Rätselrater mit der richtigen Lösung in Verbindung bringt. Gefragt war in Folge 133 von „Erkennen Sie Mannheim?“ das ehemalige Hotel Rheinhof in der Tattersallstraße 2.

Und wenn Liane Holtz das historische Bild aus der Schwetzingerstadt betrachtet, dann unternimmt sie eine Reise in die Vergangenheit, bei der sie mit den Tränen kämpfen muss. „Wissen Sie“, erzählt die 90-Jährige mit stockender Stimme, „das ist und bleibt halt meine Heimat“. Und obwohl sie seit 30 Jahren Wahl-Wallstädterin ist, hat sich daran nichts geändert: „Es war eben eine sehr glückliche Kindheit.“ Damals in den 30er- und frühen 40er-Jahren im dritten Stock ihres Elternhauses. „Meine Mutter hat das Gebäude leider vor über 50 Jahren verkauft. Das schmerzt mich immer noch jedes Mal, wenn ich dort vorbeikomme.“

Aber es sind auch eine Fülle von lustigen Erlebnissen, die wieder lebendig werden. Zuweilen hatte Liane Holtz auch – im Wortsinn – zündende Ideen. „Wir hatten im Chemieunterricht mit Wasserstoff experimentiert. Das wollte ich dann in meinem Zimmer auch mal versuchen.“ Mit um ein Haar durchschlagendem Erfolg: „Mein Gott, hat das geknallt.“ Zum Glück war nichts passiert. Und so musste die Nachwuchs-Naturwissenschaftlerin auch nichts den Eltern beichten.

Aus Dornröschenschlaf erweckt

Mit den Nachbarsmädchen Inge und Helga machte sie die Vorortstraßen so manches mal auf Kunstrollschuhen unsicher: „Es gab ja kaum Verkehr. Und gleich nebenan war die wunderschöne Alte Post.“ Auch der Bahnhof lag nicht weit entfernt. „Weil der Vater von meinen Freundinnen Inspektor bei der Bahn war, durften wir im Winter auch eines Tages auf das Dach.“ Was das Trio sogleich zum Anlass nahm, den luftigen Freisitz mit riesigen Schneemännern zu dekorieren.

Nach dem Krieg erteilte die Stadt Liane Holtzs Eltern Anna und Peter Herber die Auflage, in einem Teil ihres Mietshauses in der Tattersallstraße 2 ein Hotel zu errichten. Und so hielt dort in den 50er Jahren der Rheinhof Einzug. Ein Hotel, an das sich Inge Biruk-Baßler noch gut erinnern kann. Schließlich gehörte ihren Eltern der ehemalige „Basler Hof“, der nur etwa 100 Meter vom Rheinhof entfernt ebenfalls einen sehr guten Ruf genoss. Das gilt auch für den ehemaligen Chef, wie Horst Umbach aus Viernheim dem „MM“ schreibt: „Herr Max Baßler war ein sehr engagiertes Vorstandsmitglied im Hotel- und Gaststättenverband.“

Einen besonders engen Bezug zu der Tattersallstraße 2 hat auch Michael Müller. Er hat als Steinmetz 2013 und 2014 an den Sanierungsarbeiten für das Haus mit den „Anklängen des Jugendstils“ mitgearbeitet. So kamen unter den notdürftig überputzten Schäden aus dem Zweiten Weltkrieg Zierfriese und Ornamente zum Vorschein, die freigelegt und ausgebessert wurden. Was den Viernheimer besonders freut? Dass er mithelfen konnte, „dieses wunderschöne Anwesen aus dem Dornröschenschlaf wachzuküssen“.

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