Mannheim

Familien Rund 60 Plätze in drei Einrichtungen sollen wegfallen

Kirche schließt Kita-Gruppen

Die evangelische Kirche reduziert ihr Angebot an Kindergartenplätzen. Das hat die Kirche gestern in einer gemeinsamen Mitteilung mit der Stadt Mannheim angekündigt. So solle in den kommenden Jahren bis 2021 in den Stadtteilen Sandhofen/Scharhof, Friedrichsfeld und Jungbusch jeweils eine Kindergartengruppe wegfallen. Gründe sind laut evangelischer Kirche die schlechte Situation der Gebäude und die hohen Kosten für Neubauten.

„Leider übersteigen die Kosten für diese drei Kita-Gruppen unsere Möglichkeiten“, sagt Steffen Jooß, Direktor der Evangelischen Kirchenverwaltung. Man wolle in den kommenden sechs Jahren selbst neun Millionen Euro in Kita-Gebäude investieren, mehr sei aber nicht möglich. „Unsere finanziellen Mittel reichen nicht aus, um an zwei unserer Standorte mit gleichbleibender Gruppenstärke neu zu bauen“, so Jooß. Die Kirche habe dabei alle Rahmenbedingungen geprüft – auch die städtische Förderung.

Stadt bedauert Entscheidung

Dabei solle kein Kind seinen Platz verlieren, die Einrichtungen werden nach und nach weniger Kinder aufnehmen. Betroffen sind die Kita Füllweg auf dem Scharhof, die komplett schließt. Die viergruppige Kita Wallonenstraße in Friedrichsfeld werde abgerissen und durch einen Neubau mit drei Gruppen ersetzt. In der Kita Hafenstraße im Jungbusch wird eine Gruppe wegfallen, die sich in einem angrenzenden, sanierungsbedürftigen Extragebäude befindet.

Die Stadt teilte mit, die Entscheidung der Kirche „sehr zu bedauern“, jetzt wolle sie unverzüglich nach Lösungen suchen. Sollte es nicht gelingen, andere Träger für den Bau und den Betrieb von Kitas zu finden, sei auch denkbar, dass die Stadt selbst einspringe. Um die künftige Planung zu erleichtern, verwies Bürgermeisterin Ulrike Freundlieb (SPD) erneut auf ihren Vorschlag, gemeinsam mit den Trägern einen langfristigen Plan für Kita-Ausbau und -sanierung zu erstellen.

Grüne kritisieren Kirche

Kritik kommt aus der Politik. Die CDU greift die Stadt an und fordert, dass die ihre Zuschüsse an die freien Träger erhöht. Der Bundestagsabgeordnete Nikolas Löbel wirft der Stadt eine Zuschusskürzung vor – „wenn sich nun also herausstellt, dass der Gemeinderat mit der von der Verwaltung damals empfohlenen Zuschusskürzung einen Fehler gemacht hat, müssen wir das korrigieren.“

Auch die Grünen sehen jetzt die Stadt in der Pflicht, kritisieren aber auch die evangelische Kirche. Die lasse Familien im Stich, „gleichzeitig bestehen die kirchlichen Träger weiterhin auf dem Privileg, die von ihnen betriebenen Kitaplätze nach eigenem Gutdünken zu vergeben“, so Stadtrat Raymond Fojkar. bro