Mannheim

Soziales Ausbildungsprojekt in Neuostheim vorgestellt

Kirche sucht Migranten für Pflege

Mannheim.Den Internationale Tag der Pflege haben die Evangelische Pflegedienste Mannheim (EPMA) genutzt, um sich im Thomascarree, dem Betreuten Wohnen in Neuostheim, bei allen in der Pflege tätigen Mitarbeitern zu bedanken und das Projekt „Ausbildung für Migranten“ vorzustellen.

In Zusammenarbeit mit dem Welcome Center Sozialwirtschaft des Landes Baden-Württemberg sei die Idee zu diesem Projekt entstanden. „Migranten sollen in Pflegeberufen ausgebildet werden, um so dem bevorstehenden Fachkräftemangel wenigstens etwas entgegensetzen zu können“, so Jürgen Bachmann, der stellvertretende Geschäftsführer der EPMA. Dazu stehen seit 2017 acht Migranten in Ausbildung. „Davon hat noch keiner abgebrochen. Alle sind mit Feuereifer dabei“, freute sich die Beauftragte für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der evangelischen Kirche in Mannheim, Kirsten de Vos.

Praxisphase als Test

Der Weg zur Fachkraft erfolge in zwei Schritten. Das „kleine“ Ziel ist eine zweijährige Ausbildung zum Altenpflegehelfer. An diese kann sich eine nochmals zweijährige Ausbildung zur Altenpflege-Fachkraft anschließen. Voraussetzung für die Ausbildung ist bestenfalls der Status als anerkannter Flüchtling. Für Menschen mit temporärem Status kann ein erfolgreicher Ausbildungsabschluss helfen, den Aufenthaltsstatus zu festigen.

Doch im Vordergrund sollten das Interesse an diesem sozialen Beruf, ausreichende Sprachkenntnisse, soziale Kompetenz, mindestens acht, auch im Ausland, absolvierte Schuljahre und ein Mindestalter von 18 Jahren stehen. Vor Beginn der Ausbildung sammeln die Interessenten als „Bundesfreiwillige“ Erfahrungen im pflegerischen Bereich, verbessern ihre Sprachkenntnisse und erproben, ob das Berufsbild zu ihnen passt.

Dieser Erfahrungseinschub ist eine Besonderheit, den es an anderen Orten nicht gibt. So können die Interessenten besser einschätzen, ob der Beruf zu ihnen passt. Dass insbesondere die Sprachausbildung inklusive dem pflegerischen „Fachchinesisch“ eine große Rolle in der Ausbildung spielt, verdeutlichte die Praxisanleiterin „Pflege“, Eva Heubach, bei der die Auszubildenden immer ein offenes Ohr finden. „Denken Sie nur an das Wort Tempo, das mindestens zwei unterschiedliche Bedeutungen hat, einmal Geschwindigkeit und einmal kann es ein Taschentuch sein. Selbst Mannheimer Dialekt lernen die Azubis hier“, erklärte die Praxisleiterin. Behördengänge werden von Integrationsbeauftragten wie Jean-Paul Bassong unterstützt, der selbst die Ausbildung zum Pflegestufenmanager absolviert hat.

„Wir helfen, damit die Auszubildenden bei Behördengängen beraten werden“, so Bassong. Interessant, mit welch guten Sprachkenntnissen der 45-jährige Ahmad Delavari aufwartete, der nach dem ersten Ausbildungsjahr aus seinen Erfahrungen in der Altenpflege berichtete: „Die alten Menschen interessieren sich auch für unsere Kultur, so der mit seiner Familie auf Afghanistan geflüchtete Muslim, der mit dem christlichen Ansinnen der evangelischen Kirche kein Problem hat: „Wir akzeptieren die Menschen so wie sie sind und haben einen hohen Respekt vor dem Alter.“