Mannheim

Jesuitenkirche Adventskonzert für die „MM“-Hilfsaktion „Wir wollen helfen“ / Spendenrekord angestrebt

Klänge als Zeichen für Ökumene

Weihnachten ist die Zeit des Schenken, was man spätestens an den zahlreichen Spenden-Aufrufen merkt. Nun leben wir in einem reichen Land und in einer Zeit des materiellen Wohlstands – wir wissen oft nicht mehr, was wir schenken sollen, der oder die hat doch schon alles. Das war nicht immer so, und im Dezember 1946 schon gar nicht, als E. F. von Schilling und Karl Ackermann, die damaligen Herausgeber des „Mannheimer Morgen“, die Aktion „Wir wollen helfen“ ins Leben riefen.

Damals lag ganz Mannheim in Trümmern, trotzdem – oder gerade deshalb – war die Hilfsbereitschaft groß. Obwohl sich die Zeiten geändert haben, ist Hilfe immer noch nötig – „für die, die sich nicht helfen können, bei denen es vorne und hinten nicht reicht“, sagte Peter W. Ragge, der 2. Vorsitzende des „Hilfsverein Mannheimer Morgen e. V.“, beim Advents- (und Spendensammel-)Konzert in der Jesuitenkirche. Und er fügte hinzu: „Aber wir schauen sehr genau hin und überprüfen die Bedürftigkeit.“

Erfreulicher Nachwuchs

Peter Merten hatte die Zahlen dazu geliefert: „Im vergangenen Jahr war es der bisherige Spenden-Rekord: 5700 Euro. Ich hoffe sehr, dass wir das in diesem Jahr wieder erreichen.“ Peter Merten ist der Präsident von Absolventum Mannheim, einem Netzwerk ehemaliger und aktueller Mannheimer Studenten, das zusammen mit dem „Mannheimer Morgen“ die „Wir wollen helfen“-Aktion ausrichtet. Begonnen hatte das Adventskonzert musikalisch mit Johann Sebastian Bachs f-Moll-Präludium BWV 534, makellos wiedergegeben von Carmenio Ferrulli, dem Kantor der Mannheimer Christuskirche. Es folgte Heinrich von Herzogenbergs Motette „Das Volk, das im Finstern wandelt“, gesungen von einem Chor, den es noch gar nicht lange gibt. Das „Vokalensemble an Heilig Geist“ wurde erst 2015 von Alexander Niehues gegründet, dem Kirchenmusiker an der Heilig-Geist-Kirche Mannheim. Wenn der erste Eindruck nicht täuscht, wird man von diesem Chor noch Erfreuliches hören. Es sind etwa 20 junge Leute mit wirklich guten Stimmen, reaktionsschnell und homogen aufeinander abgestimmt. Die Voraussetzungen für einen Spitzenchor sind also alle gegeben. Nach der musikalischen folgte die verbale Begrüßung: Stadtdekan Karl Jung, der Hausherr an der Jesuitenkirche, nannte das Programm einen „Ritt durch die Adventszeit“ und verwies auf die überragende Bedeutung Marias für das Advents- und Weihnachtsgeschehen. Auch gab er eine sowohl theologische als auch kunstgeschichtliche Einführung in diese Barockkirche, die allerdings mit anderen Kirchen das Problem gemeinsam hat: eine schwierige Akustik. Das machte sich etwa bei Giovanni Gabrielis Magnificat störend bemerkbar.

Bei Heinrich Schütz’ Motette „Ich bin eine rufende Stimme“ bestand dieses Problem genauso wie bei den Motetten Anton Bruckners („Virga Jesse floruit“) oder Andreas Hammerschmidts („Machet die Tore weit“). Das Programm war ökumenisch perfekt ausgewogen. Das gilt genauso für die Ausführenden: Je ein katholischer und protestantischer Kirchenmusiker. Und das Gemeinde-Schlusslied „Macht hoch die Tür“ ist ohnehin im evangelischen wie katholischen Gesangbuch enthalten. Ein Konzert-Gottesdienst als ermutigendes Zeichen sowohl für die Hilfsbereitschaft der Menschen wie auch für die Ökumene. Bleibt zu hoffen, dass der Spendenrekord von 2017 mindestens eingestellt wird.