Mannheim

Katholiken Erstes Stadtkirchenfest geprägt vom Missbrauchsskandal / Über 30 Angebote zeigen „Buntheit und Vielfalt“ des Dekanats

Klares Bekenntnis zur Schuld

Es sieht fast aus wie Trauer. Ein tiefschwarzes Transparent hängt an dem schön verzierten schmiedeeisernen Tor der Jesuitenkirche, darauf in Grau nur die Worte „Schande und Scham“, dazu ein Ausrufezeichen. Denn das erste Stadtkirchenfest des Dekanats war eben neben Kinder- und Familienprogramm, Musik und Informationen auch geprägt von dem Missbrauchsskandal bei der Katholischen Kirche.

„Dieses Thema schockt viele Menschen in der Kirche“, räumte Dekan Karl Jung bei der Begrüßung nach Musik der Ursulinen-Band Yellow ein. „Wir wollen es nicht verheimlichen und vertuschen“, erklärte Jung. „Es darf keinen Missbrauch mehr in der Kirche geben“, bekräftigte er und forderte einen „zeitgemäßen Umbau“, nur so könne die Kirche „glaubwürdig ihren Weg in die Zukunft gehen“, sagte Jung und sprach sich für einen „freien, offenen, ehrlichen Dialog“ aus.

Daher stimmte er auch dem Informationsstand mit Pastoralassistent Joel Perin und Pfarrer Oliver Wintzek zu. „Wir wollten nicht feiern und so tun, als ob nichts wäre“, so Wintzek. Er bekannte, „wütend“ angesichts „der Verbrechen“ zu sein, „Schande und Scham“ zu empfinden und den Gläubigen mit dem Stand „ein Ventil bieten“ zu wollen. Dieses Angebot zum Gespräch wie auch die Stellwände, an die jeder Stellungnahmen schreiben konnte, nutzten gerne viele Besucher. „Zölibat abschaffen“ und „Die Staatsanwaltschaft sollte Akten beschlagnahmen“ stand da ebenso wie der Hinweis, es „gibt auch viel Positives“.

Krippen stellen ihre Arbeit vor

Und das war dem Dekan ebenso wichtig. „Wir laden ein, die Buntheit und Vielfalt der Kirche mitzuerleben“, so Karl Jung. Dazu zählten, so Dekanatsreferent Ulf Günnewig, über 30 Infostände und Mitmachangebote, betrieben von mehr als 100 Ehrenamtlichen. Bewusst wollten sich da auch viele deutlich absetzen von dem, was geschehen ist.

„Achtsam, respektvoll, wertschätzend, schon mit den ganz Kleinen auf Augenhöhe“ laufe etwa die Erziehung in den katholischen Krippen, betonte Heike Link, Bereichsleiterin Krippe vom Kinderhaus St. Laurentius Käfertal. „Wir sind hier, weil wir zeigen wollen, wie wichtig uns Pädagogik ist“, sagte sie. Genauso demonstrierte der Katholische Sportverband DJK seine vielfältigen Angebote – mit sieben von Gerhard Müller, Fachwart für Behindertensport im DJK-Diözesanverband, selbst gezimmerten, immer wieder umlagerten Geschicklichkeitsspielen. Von der „young caritas“, der Jugendkirche, Maltesern, Katholischer Arbeitnehmerbewegung und dem Weltladen bis zum Altenwerk, das nun einen neuen Namen trägt und „Forum älter werden“ heißt, reichte das Spektrum der Angebote auf dem Asamplatz und im Schulhof des Ursulinen-Gymnasiums.

Aus der Seckenheimer St. Aegidius-Kirche wurde gar eigens eine Kirchenbank in die Quadrate gebracht – „einfach als offenes Angebot zum Gespräch“, so Annegret Heuer vom Gemeindeteam. Bei ihr sei der Missbrauchs-Skandal aber „kein Thema“ gewesen, sagte sie. Der Stand daneben von der Caritas-Konferenz diente dann eher dazu, dass Ehrenamtliche sich Luft verschaffen konnten – die an einer Stellwand neben der Freude und dem Spaß an ihrem Engagement auch mangelnde Unterstützung und Wertschätzung durch hauptamtliche Kirchenvertreter beklagten. Für Hansheinrich Beha, Vorsitzender des Dekanatsrats und damit oberster Ehrenamtlicher, war das Fest „ein Mosaikstein auf dem Weg zu einer vielleicht neuen Struktur, zu der wir erst zusammenwachsen müssen“. Schließlich stellt das Fest ein Teil des seit 2013 laufenden Prozesses „Stadt – Kirche – Zukunft“ dar, mit dem das Dekanat Antworten finden will auf Priestermangel und Kirchenaustritte.

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/mannheim

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