Mannheim

Samstag „Närrische Bootsfahrt“ der Karnevalskommission / Auftritt der Fasnachter auf dem Markt / Gute Aussicht vom Riesenrad

„Kleiner Umzug“ so groß wie nie

Archivartikel

Was für ein Moment! Der Wasserturm ist erreicht, gleich schaut sich das Stadtprinzenpaar vom Riesenrad aus der obersten Gondel das närrische bunte Treiben an – und genau in dem Moment kommt die Sonne heraus. „So könnte es morgen auch sein“, hofft da Thomas Dörner, der Präsident der Karnevalskommission, zum Ende des „Kleinen Umzugs“, einem der Höhepunkte vieler Fasnachtsaktivitäten am Samstag.

Es geht mit „Happy Birthday“ los: Das Lied erklingt für Klaus Steiner vom Mannheimer Traditionscorps, der – trotz Geburtstag – Spalier steht am Steiger der „Kurpfalz“. Den närrischen Regenten Mannheim mal von der Wasserseite aus zeigen – das ist der Sinn der von der Karnevalskommission initiierten Fahrt an Bord des Ausflugsschiffs.

Daniela am Steuerrad

Ein paar stolze Schwäne schwimmen herum, Ruderer ziehen vorbei – mehr ist morgens noch nicht los auf dem Neckar, als sie ablegt. Es geht vorbei an Kränen und Lagerhäusern. „Einmal am Rhein“ stimmt Markus Schnell mit seiner „Quetsch“ an, als die „Kurpfalz“ an der Neckarspitze auf dem breiten Strom abbiegt. Bis zur Reißinsel fährt Kapitän Robert Schneider, dreht dann. Auf dem Rückweg überlässt er vor der Neckarspitze Prinzessin Daniela I. das hölzerne Steuerrad. Dann darf sie die von einem 230 PS starken Schiffsdiesel angetriebene „Kurpfalz“ zurück auf den Neckar steuern.

Ein Mann ist – zumindest in offizieller Funktion – letztmals an Bord: Dieter Schäfer. „Wir können sehr froh sein, dass es solche Leute gibt, mit denen man noch reden kann“, würdigt Dörner vielsagend die Arbeit des Leiters der Verkehrspolizei und Einsatzleiter bei den Fasnachtszügen, der 2020 in Pension geht.

Drei seiner Motorradpolizisten haben dann viel zu tun, als die „Kurpfalz“ wieder anlegt. Denn nun formiert sich am MVV-Hochhaus der traditionelle „Kleine Umzug“, der so lange ist wie selten zuvor. Alleine das Fahrzeug des Stadtprinzenpaares misst zwölf Meter – Daniela I. und Dirk II. sitzen, ja thronen stolz auf einer Hummer H 2-Stretchlimousine Cabrio vom SC Limousinenservice, „die einzige in Deutschland“, wie Stadtprinzessin Daniela I. betont.

Aber auch die Lieblichkeiten aus den Vororten haben viel zu bieten. Michelle I. von den „Stichlern“ aus Sandhofen winkt von einer mit Tüll ausstaffierten Radladerschaufel, die „Stichler“-Präsident Karlheinz Wetzel vom Guckertshof vor seinen Traktor montiert hat – echt originell. In einem Motorboot, das ein Quad zieht, sitzt Tamara I. vom Carneval Club Waldhof. Viele andere Stadtteil-Prinzessinnen fahren „nur“ in normalen Limousinen mit. Die trommelnden „Karlsternhexen“ vorneweg, geht es über Kurpfalzkreisel und Breite Straße zum Marktplatz.

Auf dem RNF-Truck spielt Bloomaul Joachim Schäfer, und Bert Siegelmann begrüßt dort die Tollitäten „auf einem der schönsten Wochenmärkte Europas“. Markthändler-Chef Ralf Ziesling hat ihnen auch Blumen und eine Vitaminspritze mitgebracht. Und dass die Kampagne bald zu Ende ist, davon will Prinz Dirk II. in dem Moment nichts wissen: „Wir sind immer noch im Steigflug“, so der Flugbegleiter, ehe es zu einer Tanz- und Schunkelrunde mit vielen Kunden auf den Markt geht.

„Wünschewagen“ dabei

In seinem Konvoi fährt auch der „Wünschewagen“ des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) mit, für den Dirk II. Spenden sammelt. Als sein Blaulicht bereits kurz vor dem Wasserturm zu sehen ist, spielt der Musikzug der Neckarauer „Pilwe“ noch am Paradeplatz – so lang ist diesmal der gar nicht so „Kleine Umzug“. Prinzenpaare und Garden vieler Vereine – die größten Gruppen stellen Feuerio, „Pilwe“ und CCW – füllen die gesamten Planken, wo viele Passanten stehen bleiben, winken und fotografieren. „Ich bin stolz auf die Vereine, dass sie schon Samstag so stark präsent sind“, dankt Dörner.

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