Mannheim

Bildung Rund 500 Lehrer stellen Forderungen an Politik

„Kleinere Lerngruppen, größere Teams“

„Schöner Beruf schwergemacht“: Mit diesem Satz fasst die Bildungsgewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Baden-Württemberg die Ergebnisse einer Umfrage zu Arbeitsbedingungen und Arbeitszeit an Schulen zusammen. Die Erhebung zeige, „dass die große Mehrheit der Lehrkräfte mit ihrem Beruf zufrieden ist, sich aber für eine gute Arbeit in den Klassenzimmern bessere Unterstützung wünscht“, betont die GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz.

Laut Studie nennen mehr als 80 Prozent der 5703 Befragten den Zeitmangel als größtes Problem. 60 Prozent sagen, dass ihre Arbeitszeit nie oder selten ausreicht. Als ein wesentlicher Grund werde genannt, dass die Aufgaben außerhalb des Unterrichts zugenommen hätten und die „Leistungsbandbreite“ der Schüler sehr hoch sei.

Anträge aus der Neckarstadt

Dass den Pädagogen genau an dieser Stelle der Schuh drückt, zeigte sich auch bei der Teilpersonalversammlung des Örtlichen Personalrats (ÖPR) am Staatlichen Schulamt Mannheim. Rund 500 Lehrer aus Grund-, Haupt-, Werkreal- und Realschulen waren dazu in die Feudenheimer Kulturhalle gekommen – unter anderem, um über die Arbeitsbedingungen zu sprechen und über Forderungen in erster Linie an die Landesregierung zu beraten.

Wie sehr sich die Heterogenität der Schüler auf den Unterricht auswirkt, machten Vertreter der Humboldt-Werkrealschule in der Neckarstadt mit mehreren Anträgen deutlich. So forderten sie ein „neues Gesamtkonzept für Schulen aus sozial benachteiligten Lagen“, als notwendige Bausteine sehen sie „kleinere Lerngruppen mit multiprofessionellen Teams“. Das sei erforderlich, um dem „Bildungs- und Erziehungsauftrag gerecht werden zu können“, da mitunter „kaum ein Kind als Muttersprache Deutsch spricht, Kinder durch Krieg und Flucht traumatisiert sind oder deren Eltern nicht in der Lage sind, sich angemessen um ihre Kinder zu kümmern“.

Nur wenig wird umgesetzt

Aber den Lehrern drückt auch an vielen anderen Stellen der Schuh. So fordern sie beispielsweise eine bessere Krankheitsvertretung, mehr Zeitanteile für außerunterrichtliche Tätigkeiten oder die Bezahlung der Lehrkräfte nach dem gleichen Tarif, wie ihn beispielsweise Gymnasiallehrer bekommen.

„Wir haben den Auftrag, solche Anträge weiterzuleiten an die zuständigen Stellen“, erklärt Ricarda Kaiser. Sie ist die Vorsitzende des ÖPR in Mannheim, der jährlich drei Personalversammlungen organisiert. Die erste war Ende März in Mosbach – mit dem Schwerpunkt Inklusion, die zweite Anfang April mit dem Augenmerk auf nicht verbeamteten Arbeitnehmern.

Ricarda Kaiser macht sich nichts vor. Nur wenige der Forderungen, die die Betroffenen regelmäßig aufstellen, werden von der Landesregierung berücksichtigt. Aber diese Forderungen bieten nach ihrer Ansicht zumindest „eine gute Grundlage für Diskussionen mit Landespolitikern und dem Staatlichen Schulamt“. Und sie seien eine „gute Möglichkeit, Transparenz zu schaffen“ – also die Öffentlichkeit auf die Anliegen der Lehrer und der anderen im Schuldienst Beschäftigten aufmerksam zu machen.