Mannheim

Porträt Der Berliner Jörg Blattmann galt nicht unbedingt als kommunikativ – nach nur dreieinhalb Jahren endet seine Mannheimer Zeit

Klinik-Manager im Gegenwind

Welch eine Duplizität der Ereignisse! Jörg Blattmann tritt wie sein Vorgänger Alfred Dänzer als Geschäftsführer der Universitätsmedizin Mannheim (UMM) zurück. Dazwischen liegen gerade mal dreieinhalb Jahre.

Ende November 2014 ist der promovierte Betriebswissenschaftler von Berlin nach Mannheim geholt worden. Er soll gemeinsam mit Frederik Wenz, Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie, außerdem ärztlicher Direktor, als Krisenmanager fungieren und das Klinikum auf dem Höhepunkt des Hygiene-Skandals aus den Schlagzeilen bringen. Die gleichberechtigte Doppelspitze wird zunächst bis Ende 2015 eingesetzt.

Als der „MM“ den einzigen von außen geladenen Kandidaten vorstellt, fasst er Blattmanns Werdegang so zusammen: „Seine berufliche Biografie spricht für viel Erfahrung, offenbart aber auch häufige Wechsel.“ Der damals 57-Jährige hat vor seiner Johanniter-Ära in Berlin auch an den Unikliniken Köln und Dresden in Spitzenpositionen gewirkt. Er ist zu der Zeit gerade auf Jobsuche, als sich am Klinikum die Ereignisse überschlagen, OP-Kapazitäten wegen Austausch von Instrumenten heruntergefahren werden und der langjährige Geschäftsführer Alfred Dänzer zunehmend unter Druck gerät.

Schon früh Kritik und Unmut

Einige Wochen zuvor, am 1. September 2014, hat in Berlin die Johanniter GmbH mit bundesweiten Hospitälern und Pflegeheimen bekannt gegeben, dass sich die Gesellschafter mit Jörg Blattmann geeinigt haben, dass dieser als Vorsitzender der Geschäftsführung „mit sofortiger Wirkung“ sein Amt niederlegt und das Unternehmen verlässt. Die Trennung wird begründet, dass „gestellte unternehmerische Ziele“ erreicht worden seien.

Der in Mannheim einstimmig gewählte Blattmann gerät schon bald in die Kritik. Beispielsweise wird ihm angekreidet, sich zu spät um die Finanzprobleme der (bereits vor seiner Zeit) übernommenen Kliniken in Lampertheim, Bensheim und Lindenfels gekümmert zu haben. Für Unmut sorgt auch, dass trotz eines Fehlbetrages von 34,5 Millionen 20014 und einem noch größeren Minus im Jahr darauf, teurer Rat von einer Unternehmenskanzlei zur Klinikum-„Restrukturierung“ eingekauft wird. Laut Ausschreibung kostet die Klinikum-„Umsetzungsbegleitung“ während der ersten zwei Jahre 4,2 Millionen Euro plus Mehrwertsteuer – weitere Millionen bei Verlängerung. Als im Februar 2016 bei einer UMM-Klausurtagung das Führungs-Duo um fünf Jahre verlängert wird, erfährt Blattmann Gegenwind – diesmal stimmen nicht alle Aufsichtsräte seinem Vertrag zu.

Defizite samt Liquiditätsengpässe, die eine 65-Millionen-Bürgschaft der Stadt nötig machen, befeuern Zweifel an der wirtschaftlichen Strategie. Außerdem eckt der nicht gerade kommunikative Klinikmanager bei so manch heikler Entscheidung wegen mangelnder Transparenz an.

Nach nur dreieinhalb Jahren sieht sich Blattmann gezwungen, einem Auflösungsvertrag mit Freistellung zuzustimmen. Am Kölner Uni-Klinikum ist er fünf Jahre geblieben, am Uniklinikum Dresden und bei den Johannitern jeweils sieben Jahre. Der 60-jährige Berufspendler dürfte jetzt wieder seinen kompletten Lebensmittelpunkt in Berlin haben – die Familie ist nicht von der Spree an Rhein und Neckar gezogen.

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