Mannheim

Gebärmutter-Patientin Klinikum vermeldet Weltpremiere

Kniesehne in Bauch eingesetzt

Archivartikel

Die Frau, deren Operation nun in die Medizingeschichtsbücher geschrieben werden soll, heißt Margot Parszyk. Nach Angaben des Klinikums ist die 68-jährige Mannheimerin die weltweit erste Patientin mit einer Gebärmutter-Senkung, der eine Sehne ihres Knies in den Bauchraum eingepflanzt wurde.

Dass diese neuartige Operationsmethode nun ausgerechnet bei ihr angewendet werden sollte, war für Parsyzik „anfangs schon ein bisschen ein komisches Gefühl“, wie die Patientin am Telefon erzählt. „Aber eine muss ja die Erste sein.“ Amadeus Hornemann, Oberarzt an der Universitäts-Frauenklinik, habe sie zuvor ausführlich über den Eingriff aufgeklärt. „Er hat mir auch gesagt, dass bei Kreuzbandrissen schon häufig Kniesehnen verpflanzt werden. Und ich habe lieber mein eigenes Gewebe in mir als fremdes.“

Hornemann hat diese Methode nun für den gynäkologischen Bereich weiterentwickelt. „Gebärmutter-Senkungen treten im höheren Alter häufig auf“, so der Experte. „Sie führen häufig zu Unterleibsschmerzen und Blasenentleerungsstörungen, in schweren Fällen können sogar Teile der Gebärmutter durch die Scheide austreten.“ Bisher sei das Problem mit großen Bauchoperationen behandelt worden oder, indem man zur Stabilisierung Kunststoffnetze an der Wirbelsäule oder den Beckenbändern befestigt habe. Auch dies funktioniere in der Regel gut. In einigen seltenen Fällen führe der eingesetzte Kunststoff jedoch zu Unverträglichkeiten. Die ließen sich mit der neuartigen Sehnen-Transplantation von vorneherein ausschließen: „Körpereigenes Gewebe wird immer gut vertragen“, betont Hornemann.

Am dritten Tag entlassen

Bei der Operation wurde nun zunächst minimalinvasiv – also mit einem geringstmöglichen Eingriff – eine Sehne aus der Kniekehle entnommen, um sie anschließend zur Fixierung der Gebärmutter in den Bauchraum einzusetzen. Auch das geschah minimalinvasiv.

„Montags kam ich ins Krankenhaus, mittwochs konnte ich schon wieder nach Hause“, berichtet Parsyzik. Mittlerweile liege die Operation – über die das Klinikum gestern informierte – schon fast zwei Wochen zurück. Ihr gehe es gut, sagt die 68-Jährige. „Ich habe auch keine Probleme am Knie, kann ganz normal laufen und Rad fahren.“ Und sie sei jetzt doch ein bisschen stolz, sich als weltweit Erste auf die neue Methode eingelassen zu haben. „Sowas ist natürlich auch immer ein Risiko.“