Mannheim

Freizeitkultur Hendrik Meier begrüßt im Herbst Kollegen aus aller Welt bei einer zweitägigen Konferenz / Feiern bringt auch Konflikte mit sich

Kommt auch New Yorks Nachtbürgermeisterin?

Archivartikel

Hendrik Meier sitzt auf einem Barhocker der Kneipe „Hagestolz“. Mit Inhaber Abian Hammann bespricht er den nächsten „Gastrotreff“ im Ausgehviertel Jungbusch, bei dem die Betreiber von Clubs und Bars sich austauschen. Aktuelles Thema: mehr Platz sowie einheitliche Richtlinien für die Außenbestuhlung. Hammann und seine Kollegen gehören zum Netzwerk, das Meier, Deutschlands erster und einziger Nachtbürgermeister, seit seinem Amtsantritt vor einem Jahr aufgebaut hat.

Jetzt plant er ein großes Ding: Als erste deutsche Stadt mit einem Nachtbürgermeister wird Mannheim im Herbst zum Treffpunkt für die Akteure der Nachtkultur. „Damit wir nicht durch die ganze Welt reisen müssen, um unsere Idee zu platzieren, machen wir eine eigene Konferenz dazu“, sagt Meier. Er war bereits im Ausland unterwegs, um das Mannheimer Konzept vorzustellen. Angesprochen sind Vertreter der Gastronomie, Stadtverwaltungen, Politiker sowie Kreative.

Hoffen auf Besuch aus New York

Bei der zweitägigen Konferenz, die am 21. Oktober beginnt, steht der Austausch über die Bedeutung der Nachtkultur und die weltweite Bewegung der Nachtbürgermeister auf der Tagesordnung. Die Teilnehmer sollen anhand von Checklisten herausfinden, welches der Modelle aus aller Welt für ihre Kommune am besten passt. Anders als in Mannheim gibt es etwa in Zürich ein vierköpfiges Gremium, den Nachtstadtrat, dessen Mitglieder unterschiedliche Aufgaben erfüllen. In der Quadratestadt werden rund 300 Gäste aus aller Welt erwartet. Die Veranstalter hoffen auch auf die Teilnahme der Nachtbürgermeisterin von New York, Ariel Palitz.

Hendrik Meier hat sich vergangenen Sommer gegen 40 Mitbewerber durchgesetzt. Seine Aufgabe ist, das Miteinander von Nachtschwärmern, Anwohnern, Clubbetreibern, Kneipiers und Verwaltung zu verbessern. Denn das Nachtleben bringt nicht nur Spaß, sondern auch Konflikte. Lautes Feiern in den 130 Clubs der Stadt kann Bürgern die Nachtruhe rauben. Zersplitterte Flaschen auf dem Gehweg oder achtlos weggeworfener Müll sorgen für Unmut. „Ich möchte die Nacht in ein besseres Licht rücken und ihren gesellschaftlichen Mehrwert verdeutlichen“, beschreibt der 28-Jährige seine Ziele. Probleme mit Lärm und Schmutz sind auch Folge der sogenannten Mediterranisierung: Fachleute meinen damit, dass sich das Leben der Menschen – auch wegen der wärmeren Temperaturen – wie in südlichen Ländern zunehmend nach draußen verlagert. Mit den Folgen haben Meier und seine weltweit rund 40 Kollegen – der Night Mayor in Amsterdam gilt als Vorreiter – zu kämpfen. In Deutschland hat das Konzept für Aufmerksamkeit gesorgt. Aus 22 Kommunen kamen Fragen, aus kleinen und großen Städten, von Hannover bis Radolfzell. „München, Stuttgart und Nürnberg sind am weitesten“, so Meier.

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