Mannheim

„Kreativität ist die Währung der Zukunft“

Archivartikel

Mannheim.Für das Gründernetz Startup Mannheim sollte es ein Anfang im Kleinen werden – nach drei Tagen voll von deutsch-französischen Impulsen feiern die Organisatoren einen Triumph, der bereits heute progressiv in die Zukunft wirken soll. Allein der Titel der Konferenz, der im Mannheimer Kunstraum Port25 bis zu 500 Teilnehmern die Richtung vorgab, machte aus den artikulierten Ansprüchen keinen Hehl. Denn mit „Allez Hop!“ hatten die Organisatoren Christian Rauch und Anna Blaich der Konferenz bewusst ein provokantes Motto verliehen, das die offenen Potentiale unmissverständlich zum Thema machen sollte: „Die französische Grenze ist kaum 60 Kilometer von hier entfernt, aber die Chancen zu Kooperationen im Innovationsbereich werden kaum genutzt – das wollten wir unbedingt ändern“, wie Christian Rauch resümiert – und dabei auch an ein bewegtes Jahr der Vorbereitung zurückdenkt.

Bereits im Dezember 2017 reiste auf Einladung des französischen Honorarkonsuls Folker Zöller eine Delegation aus Paris nach Mannheim, eine zusätzliche Analyse der Stadt untermauerte Bedarf und Chancen – nun stand man vor dem Auftakt der ersten eigenen Konferenz, die man nicht von ungefähr den Kulturschaffenden widmete. „Kreativität ist die Währung der Zukunft“, wie es Rauch auf den Punkt bringt, und dabei vor allem an die neuen Einflüsse der Kunst auf eine digitalisierte Welt denkt.

Stärkung internationaler Verbindungen

Es sind Worte, die Wasser auf die Mühlen all jener sind, die sich immer für stärkere bilaterale Verflechtungen einsetzten, um nun endlich Gehör finden. Catherine Briat, die die Konferenz als Kanzlerin für Kultur in der französischen Botschaft Deutschlands in Berlin mit eröffnete, spricht von einer Pionierwirkung der deutsch-französischen Freundschaft als „Zeichen an die Welt“, Gründerzentren-Chef Christian Sommer wird im Gespräch mit dieser Zeitung noch deutlicher: „In globalisierten Zusammenhängen können wir nicht mehr nur lokal, oder regional denken – es ist an der Zeit, die europäische Achse zu stärken. Und zwar jetzt und nicht erst, wenn es zu spät ist.“

Eine Forderung, die Referenten wie Teilnehmern in Mannheim längst in Handeln umgesetzt haben, um entschlossen zur größeren Taten voranzuschreiten. Denn während Management-Professor Carsten Winter über Instrumente kultureller Nachhaltigkeit referiert und der Gründer Emmanuel Witzthum von unternehmerische Erfolgsgeschichten im digitalen Sektor spricht, sind es Teilnehmer wie Ronald Reyes-Sevilla, die den entscheidenden Schritt weiter machen wollen. Mit seinem Unternehmen „Dos Mares“ verbindet Reyes-Sevilla junge, zeitgenössische Künstler mit Galerien im ganzen Land – und webt damit ein strategisches Netz, in das längst auch zahlreiche deutsche Künstler Eingang gefunden haben. Auf der Suche nach neuen Anreizen eigens für die Konferenz aus Marseille angereist, blickt der 32-Jährige neugierig, aber auch mit einer klaren Vision nach vorne. „Dieses Forum ist ein wegweisender Anfang, aber es ist Zeit, dass mehr passiert. Es darf nicht genug sein, dass die Städte an den Grenzregionen nach gemeinsamen Lösungen suchen – es muss ein Ruck durch beide Nationen gehen, mit dem man sich gegenseitig stark machen kann.“

Kultur von "unschätzbarer Bedeutung"

Gedanken, mit denen auch Mannheims Erster Bürgermeister Christian Specht viel anfangen kann. Als Leiter einer deutsch-französischen Koordinierungsstelle für die Metropolregion mit fünf Vollzeitstellen ist der Kämmerer der Quadratestadt mit den Mühen der Zusammenarbeit bestens vertraut und räumt gegenüber dem „MM“ offen ein: „Dass wir nach über 70 Jahren Frieden in Verwaltungsdingen, aber auch Mentalitäten teilweise noch gravierende Unterschiede feststellen, ist bedauernswert. Wenn wir die Möglichkeiten des Vertrags von Aachen wirklich ausschöpfen würden, wäre da schon viel erreicht.“

Wie man die Brücke beispielhaft bauen kann, beweist dabei nicht nur der Journalist Tariq Krim, der der Macht vom Konzerngiganten wie Google und Facebook einen Entwurf der bewussten Verlangsamung im „Slow Web“ gegenüberstellt. Es ist Sprecherin Michela Magas, die mit ihrer selbstverständlich interdisziplinären und internationalen Idee des Music Tech Fests imponiert und ihren Erfolg auf eine Formel bringt, die die Tage in Mannheim wirkungsvoll zusammenfasst: „Was unsere Kultur politisch leistet, ist von unschätzbarer Bedeutung.“