Mannheim

Polizei Erste Ergebnisse nach Vorfall mit Anhängern des SV Waldhof / 19 Fans beschuldigt

Kriminalpolizei ermittelt auch gegen Beamten

Nach der Auseinandersetzung von SV Waldhof-Anhängern mit der Polizei im Mai 2019 vor dem Fermac’s Irish Pub (U 5) gibt es nun erste Ergebnisse der Aufarbeitungsarbeit. Weil einige Fans der Polizei unverhältnismäßige Gewalt vorgeworfen hatten, war die Ermittlungsgruppe „Ulrich“ einen Tag später von Polizeipräsiden Andreas Stenger eingerichtet worden. Sie sollte klären, wie sich die Fans verhalten und wie die Polizisten darauf reagiert hatten (wir berichteten).

In einer Pressemitteilung berichten jetzt Polizei und Staatsanwaltschaft, dass die Ermittler 19 Beschuldigte aufseiten der Waldhof-Anhänger namentlich identifiziert haben. Die Staatsanwaltschaft Mannheim ermittelt nun wegen des Verdachts des schweren Landfriedensbruchs gegen die Fans im Alter von 20 bis 34 Jahren. Von den Beschuldigten wurden Fingerabdrücke, Lichtbilder und weitere Personendaten aufgenommen. Martin Schmidt, Sprecher des Fandachverbands Pro Waldhof, will sich nicht zu den Ermittlungen äußern, solange diese noch nicht abgeschlossen sind.

Auch in den eigenen Reihen der Polizei wird nachgeforscht: „Weil wir dem Strafverfolgungszwang unterliegen, sind wir verpflichtet, den Vorwürfen gegen den Kollegen nachzugegehen“, erklärt Polizeisprecher Christoph Kunkel. Deshalb ermittelt nun die Kriminalpolizeidirektion Heidelberg gegen einen 40-jährigen Polizeibeamten – wegen des Verdachts der Beleidigung und Körperverletzung im Amt.

Pfeffersprayeinsatz hinterfragt

Ihm wird vorgeworfen, während des Einsatzes die Anhänger beschimpft und Pfefferspray eingesetzt zu haben. Dabei war eine 27-jährige Frau verletzt worden, die daraufhin Anzeige erstattete. Die Staatsanwaltschaft prüft nun, ob der Pfeffersprayeinsatz rechtmäßig war. Im Fall einer Verurteilung droht dem Polizisten neben einer Freiheitsstrafe von drei Monaten bis fünf Jahren noch ein dienstrechtliches Verfahren.

Am 18. Mai hatte ein Zeuge die Polizei gerufen, nachdem Waldhof-Anhänger am Friedrichsring bengalische Feuer angezündet hatte. Dabei sollen die Beteiligten aggressiv reagiert und Provokationen gegen die Beamten ausgesprochen haben. Bei dem Versuch, an eine Person heranzutreten, sollen Gläser und Flaschen auf die Polizisten geworfen worden sein. Auch Pfefferspray sei aus der Menge heraus gegen die Beamten eingesetzt worden, hieß es vonseiten der Polizei. Um die Angriffe abzuwehren, setzten die Beamten daraufhin Schlagstöcke und ebenfalls Pfefferspray ein.

Eine 27-jährige Frau erhob daraufhin schwere Vorwürfe gegen das Vorgehen. „Ein Polizist hat mir ohne Vorwarnung aus nächster Nähe Pfefferspray ins rechte Auge gesprüht“, erzählte die Frau nach dem Vorfall. Mit ihr sei noch ein weiterer 22-Jähriger verletzt worden. Auch ein Polizeihund soll auf zwei davonlaufende Männer losgelassen worden sein. Die Polizei bestätigte später, dass ein Polizeihund ohne Maulkorb eingesetzt worden sei. Dieser habe aber keinen der Flüchtigen gebissen, hieß es.

Um herauszufinden, was an diesem Abend tatsächlich vorgefallen ist, haben die Ermittler neben Telefonaten auch rund 40 Zeugen und unzählige Anwohner befragt. Fünf Videoaufnahmen sowie die Aufnahmen einer Bodycam eines Polizisten wurden ausgewertet. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und der Kriminalpolizei dauern weiter an.

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