Mannheim

Morgentour 46 Teilnehmer besuchen die historische Altstadt von Gengenbach / Drei wichtige Jahreszahlen: 725, 1230 und 1803

Kultur und Wein in der Ortenau

Archivartikel

„Der Gang durch die engen, schmalen Gässchen war schon sehr schön. Das ist ein sehr schönes kleines Städtchen, in dem noch viel erhalten ist – ganz im Gegensatz zu Mannheim, wo ja so viel zerstört wurde.“ „MM“-Morgentour-Teilnehmerin Rose Transier war nach dem Rundgang durch Gengenbach begeistert, bei dem die Stadtführer Gerd Knäble und Günter Reimer den 46 Morgentourlern viel über die südbadische Stadt erzählt hatten.

Drei Jahreszahlen seien es, die sich die Besucher merken sollten, hatte Knäble zu Beginn erklärt: 725, 1230 und 1803. Der Reichenauer Abt Pirmin habe um 725 das Kloster Gengenbach gegründet, dessen Grundherrschaft vom Schwiegenstein zwischen Haslach und Hausach bis zum Ausgang des Kinzigtals vor Ohlsbach reichte. Die beiden Führer erzählten weiter: Ausgehend vom Kloster entstanden in den umliegenden Tälern Haigerach, Ohlsbach und Reichenbach zur Versorgung der Mönche die ersten Bauernhöfe. Im Laufe der Zeit wurden umliegende Gemeinden landwirtschaftlich erschlossen.

Feuer zerstörte viele Häuser

Im Rahmen der großen mittelalterlichen Stadtgründungswelle vom 12. bis 14. Jahrhundert, die der Sicherung und Versorgung der jeweils regierenden Herrschaft diente, gründete das Kloster unter seinem Abt Gotfried um 1230 die Stadt, die planmäßig mit den noch heute das Stadtbild prägenden Mauern, Türmen und Toren angelegt wurde. 1360 wurde Gengenbach zu einer der später so genannten Reichsstädte, die als autonome Stadtgemeinde des Heiligen Römischen Reiches allein dem Kaiser unterstand. Blieb zuletzt noch das Jahr 1803. Im Rahmen der Neuordnung Europas durch Kaiser Napoleon endete Gengenbachs Geschichte als Reichsstadt 1803 mit der Eingliederung in das neu gegründete Großherzogtum Baden, so die Stadtführer. Es entstand der großherzoglich-badische Amtsbezirk Gengenbach.

Bei dem Rundgang durch die Altstadt erfuhren die Teilnehmer der Morgentour von Knäble und Reimer mehr über den Erhalt der historischen Substanz der Stadt. Einer der wichtigsten Männer im „Städtle“ sei neben dem Bürgermeister der Torwächter gewesen, der in einer Wohnung im Kinzigtorturm lebte. Er wachte ab dem Abend über die Geschicke der Stadt, sorgte für Ordnung und vor allem für Ruhe. Im Jahr 1689 brannte die Stadt aber dennoch fast komplett aus. Daher entstammen viele Häuser dem frühen 18. Jahrhundert. Bis 1877 gab es eine „Judengasse“, in der die Gengenbacher Juden lebten und arbeiteten.

Vorbei ging es am „Schwedenturm“ zum Färberhaus, dem ältesten Gebäude der Stadt. Hier gesellte sich ein schwarzer Kater unter die Gäste, der es sichtlich genoss, von einem der Morgentourler gestreichelt zu werden. „Der eine Stadtführer war ein wenig zu leise. Man hat ihn schlecht verstanden“, kritisierte unter anderen Familie Heidelberger, der die Tour ansonsten aber gefiel.

Trauben von 280 Mitgliedern

Weiter ging es in die ehemalige Klosterkirche. Diese wurde ab 1120 errichtet. 1892 bis 1906 wurde die Kirche innen neuromanisch umgestaltet. So präsentiert sie sich auch heute noch. Die Orgel mit ihren 36 Registern gilt als „zweitgrößte Romantikorgel Badens“. Dann war eine Pause angesagt, die der eine oder andere nutzte, um ein Original-Holzofenbrot zu kaufen. Die Auswahl war begrenzt. In der Bäckerei, die in sechster Generation geführt wird, gab es Holzofenbrot groß oder klein und hell oder dunkel.

An Kultur und Geschichte schloss sich eine Weinprobe in der Weinmanufaktur Gengenbach-Offenburg an. Hier liefern rund 280 Mitglieder ihre Trauben ab, wie Michael Bayer bei einem Rundgang durch den Betrieb erläuterte. Weiß- und Rotweine werden in ganz unterschiedlichen Verfahren in großen Tanks hergestellt und gelagert. Manche edle Weine kommen in Holzfässer. Die ausgeschenkten Tröpfchen wie etwa ein Crémant Baden, Zeller Abtsberg, Pinot Noir Rosé brut, Grauer Burgunder Kabinett trocken oder Spätburgunder rosé „Federlinie“ schmeckten den Besuchern der ehemaligen Winzergenossenschaft sehr.

Viel Neues über den Weinanbau in der Ortenau war zu erfahren. Manch einer nahm da doch den einen oder anderen Karton mit Wein mit nach Hause, um ihn dort zu genießen. „Es ist einfach immer schön, mit dem ,Mannheimer Morgen’ zu reisen“, sagte Hannelore Bayer auf der Heimfahrt. „Da sieht man doch immer etwas Neues und erfährt viel. Für mich, die ich sonst nicht mehr so aus dem Haus kann, sind diese Touren einfach sehr schön. Das fing heute schon am Taleingang in das Kinzigtal an. Es war eine schöne Stadtführung, an die sich diese Weinprobe anschloss, in der viel über Weinbau erzählt worden war.“ Bayer und ihre 45 Mitfahrer waren von der Tour begeistert.

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