Mannheim

Kunst Edgar Schmandts Werkgruppe „man“ in den Reiss-Engelhorn-Museen – eine große Begleitausstellung mit nie zuvor gesehenen Bildern

Kunst gegen Intoleranz, Fanatismus und Fremdenhass

Schummriges Licht, gleichförmige Anmutung der Bilder, ein schöner Farbklang in türkisgrün, samtig. Keinerlei Ahnung hat der Betrachter vor dem Eintreten in die kleine Ausstellung „man“ von Edgar Schmandt im Zeughaus, was ihn erwartet: 24 Tafeln auf Resopal hat der große Mannheimer Künstler schon vor 40 Jahren angelegt unter dem Hauptaspekt der Trägheit der Masse, so der Untertitel. Diese Reihe war noch nie ausgestellt gewesen, wir werden also Zeugen einer großartigen ersten Präsentation.

Einförmige Wesen

Mit der Trägheit der Masse meint der Künstler – was übrigens leider sehr gut in die heutige Zeit passt – einerseits die Einförmigkeit der Menschen, ihre Austauschbarkeit, ihre Beliebigkeit, andererseits aber auch sehr viel philosophischer nach Martin Heidegger (wichtiger deutscher Denker), das Diktat der Alltäglichkeit und der Gleichförmigkeit aller menschlicher Wünsche.

Auf fotografisch aufbereiteten Platten bewegen sich jeweils (zumeist jedenfalls) drei abstrahierte, menschliche Gestalten, einförmige Wesen, die in ihrer äußeren Anmutung an die Figuren von Horst Antes denken lassen. Dessen Kopffüßler waren sehr berühmt in den 1960er Jahren. Aber Edgar Schmandt, der 1929 in Berlin geborene Künstler, der seit 1956 in Mannheim lebt, bearbeitet sie weiter mit Öl, Kreide, er sprayt sogar. Man kann weiße Striche erkennen, wie Kritzeleien, aber auch Kreuze in allen Formen, vor allem Andreaskreuze, die dann wie Zielkreuze für Schützen erscheinen, die die Stelle auf den Körpern bezeichnen, hinter denen das Herz liegt. Aber auch weiße Raster können über den dunklen Figuren liegen oder schwarze Streifen, die die Augenpartie verdecken. Auffällig ist zudem die Fragmentierung aller Körper in einfache Formen, fast kindgerecht möchte man sagen. Zudem existiert eine innere Helligkeit bei etlichen Gestalten, als seien sie von innen beleuchtet. Partien abgeklebt, besprüht, eine eigentümliche Mischung aus sehr moderner Gestaltungsweise und fast archaischem Ansatz.

Die Figuren scheinen oft bedrohlich, mystisch, in ihrer Anonymität und Gleichförmigkeit. Sehr interessant ist, dass Edgar Schmandt, der ja auch Schriftsteller ist und schon etliche kleine Bücher verfasst hat, schon vor vier Jahrzehnten eine literarische Abhandlung über das MAN verfasst hat, eine Erzählung über das Ich, Du und Es, über das Eigene und das Fremde. Und besonders wichtig wurde ihm das Fremde im Eigenen, das umso mehr bekämpft werden muss, als es nicht außerhalb unseres Körpers liegt, sondern in uns selbst.

Noch gefährlicher ist aber unsere Meinung über das Fremde, sie wird Hass, Neid, eine Unversöhnlichkeit ohne Grenzen. Edgar Schmandt bezieht sich auf Heideggers Hauptwerk „Sein und Zeit“ und darin des Begriffs des „Man“ und das der Philosoph beschreibt wie folgt: „Wir genießen und vergnügen uns, wie man genießt; wir lesen, sehen und urteilen über Literatur und Kunst, wie man urteilt; wir ziehen uns aber auch vom ‚großen Haufen’ zurück, wie man sich zurückzieht. Wir finden empörend, was man empörend findet.“

Schmandt bezieht so mit seiner Kunst, unterstützt durch die Philosophie, klar Stellung gegen Intoleranz, Fanatismus und Fremdenhass. Zeitlos und aktuell und zugleich künstlerisch sehr ergreifend.

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