Mannheim

Filmschätze Private Luftaufnahmen vom Bau der Kurt-Schumacher-Brücke aus 1970 beenden die Serie

Kurt-Schumacher-Brücke: Werk moderner Ingenieurskunst

Mannheim.Wie aktuell einem das gerade heute vorkommt! Von 1970 stammen die Luftaufnahmen, mit denen wir die Artikelserie „Filmschätze retten“ beschließen. Sie zeigen eindrucksvoll den Bau der Kurt-Schumacher-Brücke, damals zunächst nur „Nordbrücke“ genannt, über den Rhein nach Ludwigshafen – und viele andere spannende alte Ansichten der Stadt.

Friedrich-Ebert-Brücke, Kurpfalzbrücke, Jungbuschbrücke – zunächst überfliegt der Kameramann den Neckar. Es ist Hobbyfilmer Wolfgang J. Blättner („Wolfner Film“). Seinen von ihm „Mannheim von oben“ genannten Super-8-Film hat Bruder Reimund Blättner dem Marchivum als Schenkung überlassen.

Man hört das Brummen des Motors des Kleinflugzeugs, aber er kommentiert seine Aufnahmen auch. Freilich legt er das Augenmerk besonders auf die Brücken. Heutigen Betrachtern fällt viel, viel mehr auf.

So fahren auf den Planken noch Autos, das Quadrat N 1 ist unbebaut, es gibt noch kein Collini-Center und anstelle der Neckaruferbebauung Nord östlich der Alten Feuerwache viel auffallend helle Freifläche, im Volksmund „Weißer Sand“ genannt. Hinter dem Jugendstilbau des Rosengartens ist gerade das ganze Quadrat einschließlich des heutigen Dorint-Hotels eine riesige Baustelle – zu der Zeit entsteht die Tiefgarage und später der Neubau des Mozartsaals.

Auch in Ludwigshafen kann man erkennen, wo der neue Hauptbahnhof entstanden ist und wo noch die alten Gleisanlagen verlaufen – ab 1979 Standort des Rathaus-Centers und eben auch benötigt für die Zufahrten zur „Nord-Brücke“. Erst zwei Tage vor der offiziellen Einweihung erhält sie, nach gemeinsamem Beschluss der Stadtparlamente von Mannheim und Ludwigshafen, den Namen des ersten SPD-Partei- und Fraktionsvorsitzenden nach dem Zweiten Weltkrieg, Kurt Schumacher (1895-1952).

Wunsch nach Rheinquerung

Lange gibt es ja nur eine Rheinquerung. An der Stelle der heutigen Konrad-Adenauer-Brücke kennt die Geschichte „fliegende Brücken“ oder „Schiffsbrücken“ – eine Art Fähren – und ab 1868 ein festes Bauwerk. Es wird indes im Zweiten Weltkrieg zerstört, und erst 1959 erfolgt der Wiederaufbau. Schon in den 1930er Jahren diskutiert man indes eine zweite Rheinquerung – durch den Zweiten Weltkrieg wird sie indes nicht mehr realisiert. Nach langer Diskussion gehen Ludwigshafen und Mannheim das Thema in den 1950er Jahren aber wieder an, auch ein Tunnel wird zwischenzeitlich erwogen.

Klar ist schon früh, dass eine einzige Rheinquerung „nicht reicht, um den Verkehr zwischen beiden Städten zu bewältigen“, führt Mannheims Tiefbauamts-Chef Eberhard Völkel 1972 vor einem Gremium des Deutschen Städtetages aus. Bis zur Inbetriebnahme der Schumacher-Brücke konzentrierten sich 72 000 Autos pro Tag auf den einzigen Übergang, die Adenauer-Brücke.

Der Neubau, 1969 in Angriff genommen und 1972 beendet, ist viel komplizierter als die erste Rheinquerung und mit 1,5 Kilometern auch viel länger. Sie umfasst eigentlich drei Brücken, überspannt sie doch den Mannheimer Handelshafen mit Verbindungskanal (Länge 296 Meter) und Mühlauhafen (287 Meter), dann erst den Rhein (433 Meter). Auf Mannheimer Seite sind zwei Anschlussstellen für – nie realisierte – Abfahrten in den Hafen vorbereitet, in Ludwigshafen mündet die Brücke in die Hochstraße. Die 288 Meter lange Stahlbrücke über den Rhein, an Schrägseilen an einem Pylonen aus zwei Stahlbetonpfeilern aufgehängt, steht seinerzeit – laut Eberhard Völkel – „unter den deutschen Spannbetonbrücken der Spannweite nach an dritter, in der Welt an sechster Stelle“.

Am 28. Juni 1972 wird die 130 Millionen D-Mark teure Konstruktion vom damaligen Verkehrsminister Georg Leber eingeweiht. Mit dabei ist, als Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Helmut Kohl. Er äußert den Wunsch, dass es „nicht wiederum 13 Jahre dauern möge, bis die nächste Brücke in unserem Raum zwischen Altrip und Speyer dem Verkehr übergeben wird“. Doch daraus wird nichts. Und dass die Schumacher-Brücke, seinerzeit als „Werk auf der Höhe der modernen Ingenieurkunst“ gerühmt, nicht einmal 50 Jahre später ein schwerer Sanierungsfall wird, kann sich damals auch niemand vorstellen.

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