Mannheim

Stadtentwicklung Dock 29 der Kauffmannmühle GmbH & Co. KG feiert Richtfest an der Hafenstraße / Ein Jahr länger gebraucht

Land in Sicht bei Silo-Umbau

Mannheim.Eigentlich sollte das Gebäude Ende 2016 fertig sein. Doch der Wunsch blieb Vater des Gedankens. Entkernen, Fundamente gründen, Fassaden sichern: Der Einbau von 32 Eigentumswohnungen in das einst neun Tonnen Getreide fassende, ziemlich marode Silo der historischen Kauffmannmühle im Jungbusch erwies sich als ganz dicker Brocken. Nun jedoch kann Richtfest gefeiert werden - allerdings ein Jahr später als gedacht.

"Die Sieben und die Zehn sind fertig, über die Sechs müssen wir noch reden, da gibt es noch was zu lösen", meldet der Elektriker über den Anschluss von Wohnungen an Bauleiter Swara Arif. Der Architekt nickt verständnisvoll und lächelt milde. Seit Beginn der Bauarbeiten an dem Relikt aus vergangenen Zeiten hat er ganz andere Herausforderungen erlebt: Allein 1300 Kubikmeter gepresstes Schichtholz mussten von Hand aus dem ehemaligen Speicher herausgesägt werden: "Das kann nicht jeder", sagt Arif, der seit über 15 Jahren Aufträge für den Mannheimer Investor Reinhard Suhl übernimmt.

Schichtholz herausgesägt

Dabei ist der 62-Jährige mit fünf Mitarbeitern und Büro in der Schwetzingerstadt zwar durchaus bewandert im Umbau denkmalgeschützten Bestands. Doch so etwas habe er noch nicht erlebt: "Es gab keine Anleitung, wir mussten quasi alles neu erfinden", so der Experte. Zunächst galt es auszutüfteln, wie man die baufällige Hülle sichert und freilegt, um später die Basis für den neunstöckigen Loftturm zu schaffen - "ohne fachkundige Unterstützung nicht möglich", so Arif.

Um sich am Verbindungskanal vor Hochwasser und Erdbeben zu schützen, war es beispielsweise nötig, die Fundamente über vier Meter in den Untergrund zu treiben. Oder die Fassade: 150 Öffnungen für Fenster und Balkone wurden eingebaut. "Stück für Stück haben wir Schablonen hergestellt und geschaut, ob das optisch und statisch auch funktioniert", berichtet Arif vom aufreibenden Geschehen auf der Baustelle. Tag für Tag gab es neue Herausforderungen, bei Wind und Wetter war der Architekt auch nachts vor Ort - "da wächst man mit der Aufgabe, ein schwieriger Akt", gibt er zu. Bis zu 60 Handwerker werkeln gleichzeitig auf dem Gelände: "Da musst du ständig ansprechbar sein und viel Zeit haben, mit reiner Gewinnorientierung geht da nichts", sagt der Architekt.

Im Innern konnte die Baufirma kaum schweres Gerät oder Maschinen einsetzen, vieles musste äußerst mühsam per Hand erledigt werden: Wände wurden aufgebaut, Fenster geöffnet, Mauern eingezogen, Ziegelsteine gesäubert und anderswo wieder verwendet. Erhalten wurden die Auslassschächte der Silozellen oder die alten Kappendecken. Neu sind Terrassen im Erdgeschoss, Balkone und zwei Penthäuser, die an die historische Substanz angedockt wurden.

Nun, da der Rohbau steht, hat Swara Arif "Spaß daran, zu sehen, wie alles wächst und dabei der Charakter des Gebäudes erhalten bleibt". Das Altholz wurde an Schreiner und Ökobetriebe aus der Umgebung abgegeben. Was sich an Altem sonst noch in den Gemäuer fand, hat Arif penibel zusammengetragen und sich zur Präsentation einen Raum im Keller gesichert. Dort werde später alles ausgestellt und für die Nachwelt erhalten, freut er sich.

Ärzte als Neubewohner

Auch Kaufmannmühlen-Investor Reinhard Suhl bleibt trotz des "gigantischen Zeitverzugs" eher gelassen: Alle Wohnungen (Quadratmeterpreis 4000 Euro) sind längst verkauft. Ende 2017 werde der Bau fertig sein, sagt er. Allein 14 Ärzte und Professoren gehören zu den Neubewohnern im so genannten Dock 29. Schon bald will Suhl dann mit dem Bau der zweigeschossigen Tiefgarage auf dem benachbarten Grundstück beginnen. Danach folgt dort am Kanal ein weiterer siebenstöckiger Hochbau sowie der Umbau der restlichen Mühlengebäude an der Hafenstraße gegenüber.

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