Mannheim

Lebendige Übereinkunft

Archivartikel

"Das haben wir immer so gemacht.“ „Das hat bei uns so zu sein basta!“ Wie mich das nervt! Althergebrachte, spießige Konventionen. Nicht reflektiert, ohne Diskussion – das erstickt meine Kreativität im Keim. Lass mich in Ruhe mit Konventionen!

Wirklich? Konvention bedeutet ja wörtlich nur: Zusammenkunft, Übereinkunft. Das finde ich wichtig, dass wir übereinkommen, welche Regeln und Werte gelten sollen. Dazu müssen wir erst einmal zusammen kommen - uns treffen, uns begegnen. Dann wird es lebendig und spannend. Wie es hier in Mannheim in der vergangenen Woche lebendig wurde, als Tausende zu Fridays for Future zusammen kamen. Da ging es um die Frage nach dem Wert von Nachhaltigkeit und der Bewahrung der Schöpfung.

Einen Tag später war Parking Day in der Innenstadt und ein Workshop zu Mobilität auf Spinelli: welchen Wert haben Autos und welchen Wert haben autofreie Zonen? Wie viel Platz brauchen wir für den Verkehr und wieviel Freiraum, damit Menschen sich begegnen können? Am Mittwoch feierten viele dann von R 2-3 bis F 2-3 die Meile der Religionen, die den Wert friedlichen Zusammenlebens unterschiedlicher Glaubensrichtungen auf den Tisch brachte.

Viele spannende Diskussionen entstanden zwischen einander fremden Menschen über die Grundlagen des Miteinander in der Stadtgesellschaft. Menschen entwickelten die Woche über Kreativität beim Malen von Plakaten, beim Entwickeln neuer Konzepte, beim Kochen köstlicher Speisen. Alles andere als steif und überkommen war die Vielfalt und Offenheit der Zusammenkünfte. Gleichzeitig tagte in New York die Generalversammlung der Vereinten Nationen, berieten ihre Vertreterinnen und Vertreter, wie die Ziele nachhaltiger Entwicklung weiter umgesetzt werden können.

Spannende Diskussionen

Am 25. September feierten sie den 30. Geburtstag der Kinderrechtskonvention, die vier Grundprinzipien beinhaltet: das Recht auf Leben und persönliche Entwicklung von Kindern, das Verbot von Diskriminierung, das Recht auf Beteiligung und den Vorrang des Kindeswohls bei allen öffentlichen Entscheidungen und Maßnahmen. 30 Jahre nach der Einführung dieser Konvention weltweit (außer in den USA), haben noch immer Millionen Kinder keinen Zugang zu Schulbildung oder zu sauberem Trinkwasser, und immer noch werden Mädchen verheiratet, bevor sie volljährig sind. Andererseits wurde viel erreicht. Gesetze schützen Kinder besser, die Kindersterblichkeit ist deutlich gesunken, mehr Kinder gehen zur Schule.

Die völkerrechtlichen Konventionen, die die Rechte von Menschen, Kindern und Umwelt schützen, sind verbindlich, auch wenn noch strittig ist, wie sie umgesetzt werden und was das kosten darf. Ich bin dankbar, dass Menschen sich für die Durchsetzung dieser Konventionen eingesetzt haben und jetzt darum ringen, dass sie verwirklicht werden. Dazu braucht es aber nicht nur einzelne, die sich in den Vereinten Nationen engagieren. Die Suche nach Lösungen ist die Aufgabe von uns allen.

Die Diskussionen darüber sind alles andere als langweilig und spießig. Kommen wir also zusammen in Häusern, Kirchen, auf Straßen und Plätzen. Vielleicht finden wir, wenn wir miteinander ernsthaft im Gespräch bleiben, ganz unkonventionelle Lösungen für gute Konventionen.

Anne Ressel, Mannheim, Pfarrerin der Citygemeinde Hafen-Konkordien, Schifferseelsorge

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