Mannheim

Filmschätze Aufnahmen von 1986 dokumentieren die Inbetriebnahme des historischen Schaufelraddampfers als Mannheimer Museumsschiff

Letzter Liegeplatz der „Mainz“

Die Schiffsglocke ertönt, das Polizeimusikkorps spielt die Nationalhymne und Beamte der Wasserschutzpolizei hissen die Flaggen von Stadt und Land: Diese Aufnahmen vom 17. Oktober 1986, als das Museumsschiff „Mannheim“ der Öffentlichkeit übergeben wird, zeigt der Mannheimer „Jahresfilm“ von 1986 – und obwohl relativ jung, gehört er auch zu den bedrohten Filmschätzen des Marchivum, von denen wir einen jeden Donnerstag vorstellen.

„Dies ist ein wichtiger Tag für Mannheim, für unser Landesmuseum, für die Binnenschifffahrt“, so der damalige Oberbürgermeister Gerhard Widder in seiner Ansprache. Aber nicht nur von diesem „wichtigen Tag“ stammen die Aufnahmen. Zu sehen ist ebenso, wie der alte Raddampfer auf der Schiffswerft Braun in Speyer von Männern im Blaumann restauriert, dann auf dem Rhein, vorbei an der Neckarspitze in den Neckar und schließlich bis zu seinem Liegeplatz an der Kurpfalzbrücke geschleppt wird – längsseits von einem anderen Schiff.

Dort stehen im Oktober 1986 am Ufer zahlreiche Menschen, als die Übergabe in Anwesenheit des damaligen baden-württembergischen Wissenschaftsministers Helmut Engler gefeiert wird. Schließlich geht das Schiff an dem Tag offiziell in den Besitz des Landes über – als größtes Exponat des damals erst als Baustelle existierenden, 1990 eröffneten Landesmuseums für Technik und Arbeit, heute Technoseum genannt.

Außer Widder ist noch ein zweiter Redner zu sehen. Er freut sich, dass nach nur neun Jahren Vorarbeit das Ziel, ein Mannheimer Schifffahrtsmuseum einzurichten, „in so idealer Form verwirklicht werden konnte“. Es handelt sich um den Präsidenten des Landgerichts, Ludwig Specht, zu diesem Zeitpunkt Vorsitzender der „Gesellschaft zur Förderung des Deutschen Rheinschiffahrtsmuseums in Mannheim“. Allerdings gibt die Sprecherin in dem Film– fälschlicherweise – an, es handele sich um Helmut Kühnle.

Der langjährige Vorsitzende des Mannheimer Schiffahrtsvereins ist tatsächlich in dem Film zu sehen, aber im Hintergrund. Er fungiert seinerzeit als stellvertretender Vorsitzender der „Gesellschaft zur Förderung des Deutschen Rheinschiffahrtsmuseums“, ist aber mit seinen Verbindungen, seinen Ideen freilich der unermüdliche Motor und letztlich der Vater des Projekts.

Der Mannheimer Schiffahrtsverein, 1894 gegründet, wahrt nicht nur die Erinnerung an die „Mannheimer Rheinschifffahrtsakte“, die freie Fahrt ohne Zölle auf dem Strom garantiert. Viele Jahrzehnte hat er auch eine Modellsammlung alter Lastkähne und -segler im Maßstab 1:10 gepflegt, katalogisiert und erhalten. Um sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, gründet er dann 1977 die „Gesellschaft zur Förderung des Deutschen Rheinschiffahrtsmuseums in Mannheim“. Diese Sammlung erlebt lange eine Odyssee, ist erst im Gartensaal vom Schloss, dann in den Gängen des Rathauses, mal in der Schalterhalle der Bank für Gemeinwirtschaft am Friedrichsring zu sehen. Zeitweise gibt es den Vorschlag, ein kleines Museum dafür in der Alten Feuerwache oder in N 1 einzurichten, plötzlich entsteht jedoch die Idee eines Museumsschiffs.

Der historische Schaufelraddampfer „Mainz“, 1929 gebaut, fährt unter der Flagge der Köln-Düsseldorfer Rhein-Dampfschiffahrtsgesellschaft (KD) als prachtvoller Ausflugsdampfer auf dem Rhein für bis zu 2500 Passagiere. Aber er steht vor der Verschrottung. Ludwig Specht und Helmut Kühnle gelingt es, das historische Schiff von der KD geschenkt zu bekommen und Spenden für die aufwendigen Reparatur- und Umbaumaßnahmen zu sammeln, ehe er 1986 als Museumsschiff am Neckarufer festmachen kann.

Gottesdienst am Sonntag

Hier findet dann nicht nur die Modellsammlung ihre dauerhafte Heimat. Es gibt zudem viele Informationen zur Geschichte der Binnenschifffahrt, zur Bergungstaucherei und zur Seelsorge auf dem Wasser, immer wieder Führungen zu Dampfmaschine und Schaufelrädern und zahlreiche Versuchsstationen zum Naturraum Neckar für Kinder und Jugendliche.

Am Sonntag, 17. Juni, laden die evangelische Schifferseelsorge, die niederländische Schiffergemeinde und das Technoseum um 11 Uhr zu einem Gottesdienst auf das Museumsschiff – in dem Zeitraum ist der Eintritt frei. Im Anschluss an den Gottesdienst kann man mit einem historischen Polizeiboot und dem Kirchenschiff „Wichern“ zum Kurz-Törn auf dem Neckar starten.

Info: Film und Dossier unter: morgenweb.de/filmschätze

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