Mannheim

„Leute haben das Knistern vermisst“

Archivartikel

Thomas Neumann aus Feudenheim ist als DJ Spy bekannt

Herr Neumann, wie passt die Schallplatte in das Zeitalter der Digitalisierung?

Thomas Neumann: Für richtige DJs war die Platte nie wirklich weg, da der Klang deutlich besser ist als auf CD. Auch die Menschen erkennen das. Sie besinnen sich zurück, suchen die Haptik, also wollen wieder etwas in den Händen halten und sich die Cover der Alben anschauen. Bei Musikdownloads ist das nicht möglich. Für mich als DJ ist der Transport natürlich schwieriger. Andere DJs kommen mit einem Rucksack zu Shows, ich mit 30 Kilo Schallplatten. Gerade in der Rockabilly-Szene, in der ich mich bewege, wird das aber gerne gesehen. Die Platte bringt einen Bezug zur Musik und den Interpreten zurück.

Was ist das Besondere daran, Platten aufzulegen?

Neumann: Es ist einfach eine ganz andere Atmosphäre, als wenn ein DJ mit seiner Konsole kommt. Ich benutze diese Konsolen nur für Radiosendungen oder Podcasts, wenn es eben schnell gehen muss. Da man darauf achten sollte, dass die Tanzfläche voll ist, müssen natürlich auch Lieder gespielt werden, die die Leute bei Laune halten. Aber das Publikum in meiner Szene ist da sehr dankbar, vor allem in Amerika. In Berlin ist Platten aufzulegen schwieriger. Dort möchte man nur zu bekannten Liedern tanzen.

Wie steht es um die Platte in der Zukunft?

Neumann: Es ist schwierig, vorherzusagen, ob das jetzt nur ein Trend ist. Trotzdem denke ich, dass es die Schallplatte immer geben wird. Ich habe Platten, die 70 Jahre alt sind. Mit der richtigen Pflege hält Vinyl ewig, bei CDs sieht das anders aus, auch Downloads können mit einem falschen Klick verschwinden. Viele Jugendliche entdecken gerade Plattensammlungen ihrer Eltern, die tragen zum Comeback natürlich auch bei. Es ist vielleicht das Knistern durch die Nadel und der warme Klang, den die Leute vermisst haben. Natürlich brauchen Vinylsammlungen Platz, aber Autosammler haben auch mehrere Garagen. man

Zum Thema