Mannheim

Frank-Herrmann-Stiftung Benefizkonzert lockt Opernfreunde und Kabarettfans

Liebe, Küsse und viel zu lachen

„Noch mehr Wörtliches und Liederliches aus der Welt des Theaters“ versprachen die fünf Universalkünstler zu Ehren der Frank-Herrmann-Stiftung ihrem mittlerweile fanatisch ergebenen Stammpublikum. Allmählich wird sogar der geräumige Festsaal des Theresienkrankenhauses zu klein, weil mittlerweile außer den Opernfreunden auch die Kabarettfreaks der Mannheimer Gesellschaft zu dem traditionsreichen Benefizkonzert strömen, mit dem die Stiftung zur Alltagsbewältigung psychisch Kranker alljährlich eine fast fünfstellige Eurosumme einfährt.

Nachdem Vorstandsmitglied Marcus Fähnle gut gelaunt die Eröffnung des Mannheimer Kulturherbsts verkündet hatte, stürmten die fünf Protagonisten die Bühne, die alle Jahre wieder die Zwerchfelle ihres Publikums strapazieren: Schauspielerin Ragna Pitoll (in einem rattenscharfen Gewand übrigens), Schauspieler Reinhard Mahlberg, die Opernsänger Uwe Eikötter und Thomas Jesatko und Flügelmann Georg Metz. Zuerst widmeten sie sich in vielen Konstellationen der Liebe und dem Küssen bis zu Max Raabes profunder Erkenntnis „Küssen kann man nicht alleine“.

Natürlich brillierten Eikötter als strahlender Operettentenor („Gern hab’ ich die Frau’n geküsst“), Jesatko als Bassbuffo („Ach, ich hab’ sie ja nur auf die Schulter geküsst“), aber auch die kapriziöse Ragna Pitoll, als Chansonette oder völlig entfesselt als Trude-Herr-Verschnitt („Ich will keine Schokolade, ich will lieber einen Mann“), und Reinhard Mahlberg mit dem hinreißend verkauften „As Time Goes By“ räumten gnadenlos ab. Aus der satirischen Feder Georg Kreislers stammt der „Abend zu zweit“, den Pitoll und Jesatko in „trauter Lethargie“ verbrachten und über den er befand, es sei sogar im Luftschutzkeller lustiger gewesen.

Gestresstes Gretchen

Und was haben wir auch in diesem Jahr über die nie funktionierenden „Faust“-Proben gelacht! Zwar realisiert die hinreißende Ragna Pitoll als Gretchen auch die hirnrissigsten Einfälle des Regisseurs, aber Reinhard Mahlberg wirft ihr sowohl als g’schlamperter und immer ein bisschen übergriffiger Wiener als auch als steinalter Nostalgiker ständig Bremsklötze in den Weg. Dauernd fällt ihm ein, was er damals unter Grrründgens getrieben hat, oder es fällt ihm halt nicht ein, wie diese und jene hieß. Bis zum bitteren Ende gelang es ihr nicht einmal, ihr Lied am Spinnrad „Meine Ruh’ ist hin“ zu intonieren, geschweige denn zu probieren. Das war eh meist gestrichen, und den größten Erfolg hatten sie 1942, als sie es durch das Horst-Wessel-Lied ersetzt haben. Wetten, dass es Regisseure dieses Typs landauf, landab noch gibt?

Ein geschickter Kunstgriff der Stiftungs-Eventmanager, nach der Pause den Großspender einer Mannheimer Firma auf die Bühne zu holen, der dann gemeinsam mit drei Vorstandsmitgliedern und einem schönen großen Scheck abgelichtet wurde. So wurden die Matinee-Besucher, die sich zwei Stunden lang bei freiem Eintritt köstlich amüsiert hatten, diskret daran erinnert, das am Ausgang große Körbchen auf lautlose Spenden warteten. Und das hat dann wie immer ganz prima funktioniert.