Mannheim

Gericht Frau wegen versuchten Totschlags angeklagt

Ließ Tochter Vater bei Brand zurück?

Weil eine 27-jährige Frau ihren pflegebedürftigen Vater im Rollstuhl bei einem Brand in deren Wohnung in Mannheim zurückgelassen haben soll, hat die Staatsanwaltschaft Anklage am Landgericht Mannheim wegen Verdachts des versuchten Totschlags erhoben.

Den Ermittlungen zufolge war der Brand im vergangenen Dezember auf dem Balkon der Wohnung ausgebrochen, die die Angeklagte mit ihrem 70-jährigen Vater bewohnte. Die Tochter hatte die Pflege ihres Vaters übernommen, der wegen eines Schlaganfalls im Rollstuhl sitzt. Beide sollen versucht haben, den Brand vorab zu löschen, aber ohne Erfolg. Als sich das Feuer in der Wohnung ausbreitete, soll die Tochter laut Anklageschrift aus der Wohnung geflüchtet sein, ohne, wie von einer Zeugin aufgefordert, ihrem Vater aus dem Gebäude zu helfen. Laut Staatsanwaltschaft hat die 27-Jährige damit billigend in Kauf genommen, dass ihr Vater es aufgrund seiner körperlichen Behinderung möglicherweise nicht aus der Wohnung schaffen und sterben würde.

Auch soll die Angeklagte trotz erneuter Aufforderung durch die Zeugin, ihr beim Rettungsversuch des Vaters zu helfen, nicht reagiert haben. Die Zeugin trug daher den Mann allein aus dem stark verrauchten Gebäude, der ohne das Eingreifen der Zeugin gestorben wäre. Er erlitt durch die eingeatmeten Rauchgase ein Lungenemphysem. Gegen die Angeklagte liegt kein Haftbefehl vor. Die Frau bestreitet den Tatvorwurf. Im Falle einer Verurteilung könnte ihr eine Freiheitsstrafe von fünf bis 15 Jahren drohen. lia