Mannheim

„Blattkritik von außen“ BASF-Arbeitsdirektor Michael Heinz bewertet in der Redaktion die Montagsausgabe / Lob für Sportressort, Kritik an Wirtschaftsteil

„Lokale Berichterstattung beibehalten“

Im Leben von Michael Heinz hat der „Mannheimer Morgen“ immer eine große Rolle gespielt. „Ich bin ein Kind der Region, und es war schon immer normal, dass in unserer Familie der ’Mannheimer Morgen’ gelesen wird.“ Früher, noch als Jugendlicher, habe der „MM“ häufig über Heinz als Talent im Wasserball geschrieben, erinnert sich der heutige Arbeitsdirektor der BASF – und zeigt zum Beweis stolz den Originalausschnitt eines Berichts über ihn aus dem Dezember 1981 in die Runde.

Auch heute noch gehört es für ihn zum Ritual, morgens gegen 6.15 Uhr die Zeitung zu lesen. „Darauf lege ich großen Wert“, sagt Heinz am Montagmorgen bei der „Blattkritik von außen“ – einer Aktion dieser Zeitung, bei der seit Anfang 2015 alle drei Monate regionale Prominente aus Wirtschaft, Politik, Kultur oder Sport die aktuelle Ausgabe besprechen. Mit dabei sind außerdem noch Leser und Redakteure dieser Zeitung.

Heinz, 1964 in Mannheim geboren, gehört seit 2011 dem Vorstand des weltweit größten Chemiekonzerns in Ludwigshafen an. Seit 2017 ist er Arbeitsdirektor des Unternehmens sowie Standortleiter für das Werk Ludwigshafen. Besonders der Sportteil und das Wirtschaftsressort interessieren den Mannheimer.

Der Sportteil sei mit seiner neuen, erst seit dieser Fußballsaison genutzten grafischen Darstellung der Tabellen „unheimlich gut und übersichtlich aufbereitet“, sagt er. Er schränkt aber auch ein: „Das Titelbild der Montagsausgabe hat mir nicht gefallen.“ Die Optik hatte Schals von Waldhof-Fans mit der Aufschrift „Barackler“ gezeigt. Heinz findet es nicht gut, dass der „MM“ dieses Klischee von Mannheim als Botschaft „nach außen“ transportieret. „Waldhof ist doch mehr als nur Benz-Baracken und Barackler.“

Kommentare ordnen ein

Dem Wirtschaftsteil dieser Zeitung sollte laut Heinz noch mehr Platz zuteil werden. Häufig komme bei der Berichterstattung etwa zu kurz, welche Auswirkungen nationale oder internationale Ereignisse „auf den Wirtschaftsstandort Metropolregion haben“, kritisiert der BASF-Vorstand. „Der Leser ist von der Wirtschaftskraft dieser Region abhängig, deshalb sollte ihn das auch interessieren.“ Zustimmung erhält er von Leser Achim Weiher, der sich ebenfalls mehr Stoff über lokale und regionale Firmen wünscht.

Im Gegensatz dazu fühlt sich Peter Faller gut informiert. Ohne fachspezifische Begriffe werde regionale Wirtschaft „transparent und verständlich dargestellt“. Faller empfindet es dabei sogar als „sehr positiv“, dass Firmengeschichten über mehrere Ausgaben hinweg begleitet werden. „So bleibt die Spannung beim Lesen erhalten.“

Für BASF-Arbeitsdirektor Heinz sind derweil auch Kommentare ein Grund dafür, die Zeitung zu lesen. „Kommentare ordnen ein und helfen, sich einen Überblick über aktuelle Themen zu verschaffen.“

Leser Friedebert Goldbach findet nicht nur an den bereits angesprochenen neuen Tabellen im Sportressort Gefallen, sondern auch an der „Wir über uns“-Serie dieser Zeitung. Es sei gut, dass sich die Redaktion in der Form dem Leser präsentiere.

Weiher wünscht sich, in Zukunft im Sportteil mehr über Geschichten und Hintergründe von Klubs zu lesen, die „nicht jeden Tag in der Zeitung stehen“. Als Beispiel führt er Schachvereine auf. „Es gibt viele interessante Vereine in der Region, die nichts mit Fußball zu tun haben.“

Polizeiberichte verzerren Stadtbild

Nicht optimal empfindet Weiher den Polizeibericht im Lokalteil. „Der stellt Mannheim als eine komplett vom Verbrechen dominierte Stadt dar.“ Zwar sei Kriminalität ein Thema, aber Berichte der Polizei über Überfälle würden eine „falsche Außendarstellung“ bewirken und die Stadt in ein schlechtes Licht rücken.

Für die Zukunft rät Heinz den Redakteuren, sich weiter auf regionale Kompetenzen zu fokussieren. „Lokale und regionale Themen sprechen Leser besonders an und sollen so beibehalten werden.“

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