Mannheim

Geschichte Die „Kleppergarde“ gibt es schon seit 1899 – mit sehr wechselnden Funktionen

Mageres Pferd und böse Jungs

Archivartikel

Seit 1951 gibt es ihn – den gemeinsamen Fasnachtszug der Städte Mannheim und Ludwigshafen nach dem Motto „Mol hiwwe, mol driwwe“. Aber noch viel älter ist die erste große Fußgruppe: die „Kleppergarde“ der Karnevalskommission. Diese Gruppe, heute von Frank Just geleitet, geht auf das Jahr 1899 zurück.

Wie eine Strafkompanie

Hintergrund war damals, dass man Kindern aus Waisenhäusern von Mannheim einen schönen Tag machen wollte, sie in bunte Kostüme steckte und beim Fasnachtsumzug mitlaufen ließ. Damit sie aber nicht so alleine laufen mußten, stellte ihnen – so besagen es alte Chroniken – ein Mannheimer Bauer ein altes, abgemagertes Pferd zum Mitlaufen zur Verfügung. Ein Pferd, bei dem man schon die Rippen erkennen kann, nennt man umgangssprachlich in der Kurpfalz „alten Klepper (-gaul)“ – so war der Name „Kleppergarde“ geboren.

Heute wird diese Tradition fortgeführt mit einem Wagen, auf dem ein großes Schaukelpferd, der „Schockelgaul“, montiert ist. Anstelle der Waisenkinder marschieren jetzt Drittklässler und Klassen der Neckarschule aus der Neckarstadt mit. Nach dem Krieg, in den 1950er Jahren, wurde die „Kleppergarde“ von Heiner Eichinger, langjähriges Feuerio-Mitglied, wieder neu belebt – aber mit einer besonderen Funktion. Daran erinnert sich der Feudenheimer Wolf Wollstadt, 1946 geboren, der von 1957 bis 1960 mitlief. Er ging damals in die Sickinger-Schule, seinerzeit im Quadrat U 2 ansässig. „Eichinger war Hausmeister dieser Schule. Er beobachtete alle Schüler und griff sofort zu, wenn jemand auf dem Schulhof oder im Schulhaus zu laut gelacht oder zu laut gesprochen hat“, erinnert er sich. Auch wer „ein Mädchen angemacht oder ein Stück Papier verloren hat“ geriet in dessen Visier. „Alle mussten zum Training in der Schulturnhalle erscheinen, um als Kleppergardeaktivist für den Fasnachtszug trainiert zu werden“, schildert er – eine besondere Art von „Nachsitzen“. „Zudem mussten die Papierkostüme geschnitten und geklebt werden“, so Wollstadt.

Insofern sei die „Kleppergarde“ in ihren Anfangsjahren nach dem Krieg eine Art, wie es Wollstadt formuliert, „Strafkompanie“ gewesen. „Zur Belohnung gab es nach dem Fasnachtszug in der Turnhalle der Schule eine heiße Wurst und Coca Cola und die Strafe war getilgt“, denkt er schmunzelnd zurück.

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