Mannheim

Literatur Altenseelsorger Gerhard Sprakties stellt sein Buch „Happy-Aging statt Anti-Aging“ auf der Frankfurter Buchmesse vor

Mal fliegen wie die Engel

Klug, witzig, erzählfreudig: Dieser Ruf eilt ihm voraus. Doch eigentlich hat Gerhard Sprakties von berufs wegen eher weniger zu lachen. Als evangelischer Altenseelsorger für drei Pflegeheime in Mannheim sind Leid, Schmerz und Trauer mitunter tägliche Begleiter. Er kennt sich mit dem Älter werden aus. „Happy-Aging statt Anti-Aging“ lautet seine Devise für ein sinnerfülltes Leben, die er nun wissenschaftlich fundiert, aber mit viel Augenzwinkern in Buchform verpackt. Der Ratgeber ist im Springer-Verlag erschienen und wird Mitte Oktober bei der Frankfurter Buchmesse eigens vorgestellt.

Vater als Vorbild

Es ist nicht das erste Werk des evangelischen Theologen und Diakoniewissenschaftlers, der sich auch mit Logotherapie und Existenzanalyse auseinandergesetzt hat. Aber vielleicht sein bedeutsamstes – schlägt es doch den Bogen zu Kindheitserfahrungen. Schon früh sei ihm der betagte, indes lebensfrohe und agile Vater im Umgang mit dem Älter werden Vorbild gewesen – auch wenn der sein Alter lieber verdrängte. Sprakties: „Das fand ich faszinierend.“ Das Thema blieb, wurde Berufung und ist heute in einer Zeit, in der Menschen immer älter werden, hochaktuell. Immerhin hat sich die Lebenserwartung in den letzten 100 Jahren quasi verdoppelt. Bald, glaubt Sprakties und berichtet von entsprechenden Forschungen, könnten wir bis zu 120 Jahre alt werden. Viel Zeit demnach für ein erfülltes Rentendasein, in dem sich aber bei vielen eher Leere breit mache und mitunter dann die Frage aufkomme: Wozu bin ich eigentlich noch da?

Was also tun mit der gewonnen Zeit? „Warm, satt, sauber“ – das reiche jedenfalls nicht aus, um sinnerfüllt und glücklich alt zu werden, so die Überzeugung des 56-Jährigen. Da brauche es mehr im Kampf um die Selbsterhaltung. Sinnquellen nennt der Autor all das, was stärkt gegen die ganz großen Krisen – wie Einsamkeit, Leiden, Demenz oder Depressionen.

Gerhard Sprakties zeigt in seinem Buch Wege auf, die vom Trübsinn zum Sinn führen. Liebe sei wichtig, Glaube, Humor, Selbsttranszendenz und die Fähigkeit, das Dasein hier und jetzt zu genießen. Ansonsten drohe Sinnfinsternis oder das Leiden am ungelebten Leben. Stattdessen gelte es, die Augen zu öffnen, etwas Schönes zu erleben, zuzuhören, die Seele zu berühren: „Es gibt immer etwas, für das es sich leben lässt“, lautet die Erkenntnis des Pfarrers. Deshalb komme es immer auf die eigene Einstellung an, sagt Sprakties und nennt es „Gesichtsfelderweiterung“, wenn der Mut die Angst übertrumpft. Entsprechende Beispiele und lustige Begebenheiten finden sich in dem 197 Seiten umfassenden Buch reichlich. Sprakties breitet Mutmacher und positive Sinnquellen aus, die es dem Leser ermöglichen, das eigene Schicksal gelassen zu erwarten. „Schließlich soll es ja nicht langweilig werden.“

Fröhlich im Heim

Auch die Angst vor dem Pflegeheim nimmt der Seelsorger dem Leser: Vielfach, so berichtet er, begegnet einem dort eine ausgelassene und fröhliche Atmosphäre – im Gegensatz zu dem Bild, das in der Öffentlichkeit vielfach gezeichnet werde. Humor und Gelassenheit würden jedenfalls helfen, den Widrigkeiten des Alters zu begegnen.

„Am Ende“, so die Erkenntnis des erfahrenen Experten, „ist man so alt, wie man ist“. Sprakties Tipp fürs Happy-Aging lautet daher: Alles nicht so schwer nehmen. Und es machen wie die Engel – einfach mal abheben und fliegen.

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