Mannheim

Kinderschutzbund Das neue Projekt „Gesund am Start“ unterstützt Schwangere, Mütter und die ganze Familie

Manchmal raubt das Baby alle Kräfte

Eigentlich hatte sich die junge Frau das Mutterglück so schön ausgemalt. Es kam jedoch anders: Das Baby schrie stundenlang, spuckte mehr als es aß, erforderte so viel Kraft, dass sich der Lebensgefährte abgemeldet fühlte. In solch einer schwierigen Situation hilft der Kinderschutzbund mit seinem neuen Projekt „Gesund am Start“.

Seit Sommer ist ein fachübergreifendes Tandem – die Sozialpädagogin Dorothee Janssen (oberes Bild) und Hebamme Johanna Mdeletshe (unteres Bild) – im Einsatz. Zum offiziellen Auftakt mit Gesprächsrunde reiste jenes Kollegen-Team an, das im Ruhrgebiet das Pilotprojekt zur „Prävention in Lebenswelten“ aufgebaut hat – und zwar so erfolgreich, dass Lars Grein vom Vorstand der BKK Pricewaterhouse Coopers die Betriebskrankenkassen Südzucker und Freudenberg motivierte, eine solche Starthilfe auch in der Rhein-Neckar-Region zu fördern. „Der Kinderschutzbund Essen hat uns an die Hand genommen und an seinen vierjährigen Erfahrungen teilhaben lassen“, dankt Iris Krämer als Vorsitzende des Mannheimer Ortsvereins. Auch wenn die beiden Fachfrauen erst seit einigen Wochen durch „das Neuland Schwangerschaft und Familie lotsen“ (wie es im Flyer heißt), bei der Suche nach einer (Nachsorge-)Hebamme helfen und in belastenden Lebenssituationen zur Seite stehen, so zeigte sich schnell: „Wir müssen hingehen, auf Wunsch Hausbesuche machen.“ Das Tandem kommt obendrein in Kinderpraxen oder Kitas, wenn diese Kontakte vermitteln.

Und wie spielt sich eine Betreuung ab? Als Janssen und Mdeletshe eine junge alleinerziehende Mutter kennenlernten, war deren Töchterchen nach wochenlangem Aufpäppeln mit anfänglichem Beatmen gerade aus der Kinderklinik entlassen worden. Wegen einer Schwangerschaftsvergiftung hatte das noch unreife Mädchen auf die Welt geholt werden müssen. Schon beim ersten Hausbesuch merkten die beiden Fachfrauen die Erschöpfung der Mutter.

Essen nicht vertragen

Neben der aufwendigen Rund-um-die Uhr-Pflege des anfälligen Babys musste die Nahrung selbst zubereitet werden, weil die allergiebelastete Kleine gängige Fertigprodukte nicht verträgt. „Es ging vor allem darum, die Mutter zu entlasten und sie aus ihrer völligen Isolation herauszuholen.“ Die Sozialpädagogin stellte Kontakt zu einer Krabbelgruppe her. Zudem fand die Hebamme einen Spezial-Anbieter von Bio-Babynahrung – „diese Produkte verträgt die Kleine“.

„Müttern helfen, wieder Kraft zu tanken“, darum gehe es häufig, erzählen Dorothee Janssen und Johanna Mdeletshe. Oftmals machen schwierige Lebensumstände zu schaffen: weder Job noch berufliche Ausbildung, drückende Schulden, eine winzige Wohnung. „Armut wirkt wie ein Brennglas und vergrößert alle Probleme“, weiß Maria Wolf als Leiterin der kommunalen Psychologischen Beratungsstellen.

Der Start ins Leben kann aber auch bei besten sozialen Bedingungen holprig erfolgen. Das Essener Pilot-Team hat die Erfahrung gemacht: Manch eine Mutter, die sich spät für Nachwuchs entscheidet und sich darauf akribisch vorbereitet, tut sich schwer, wenn sich geplante Abläufe dann als untauglich erweisen. „Eine App für die Stillzeiten gut und schön“, sagt eine Kinderschutzbund-Akteurin, „aber Babys scheren sich nicht darum“. Deshalb versuche das Projekt, unsichere Mütter zu bestärken, herauszufinden, was für ihr Kind, für sie und die Familie gut ist. „Das Lesen Dutzender Ratgeber kann da eher verwirren.“ (Bilder: Proßwitz, Privat)