Mannheim

Geburtstag Ehemaliger Vorsitzender der Evangelischen Stadtsynode Friedhelm Klein wird 80 Jahre alt / Renommierter Militärhistoriker

Mann des Ausgleichs in schwierigen Zeiten

Archivartikel

Ein Oberst i. G. – da denkt man an einen schneidigen Strategen. Doch Friedhelm Klein, der heute seinen 80. Geburtstag feiert, entspricht so gar nicht dem Klischee des Generalstabsoffiziers. In Mannheim kennt man ihn für sein intensives Engagement für die Evangelische Kirche, bundesweit gilt er als renommierter Militärhistoriker – und stets als Mensch mit ausgleichendem, gewinnendem Wesen.

Er ist zunächst wirklich durch den Schlamm gerobbt: Nach dem Abitur am Karl-Friedrich-Gymnasium ging Klein zu den Panzergrenadieren im Westerwald, brachte es dort bis zum Leutnant. Dann aber verließ er die Truppe, um ganz zivil in Heidelberg von 1960 bis 1965 Geschichte und Politik zu studieren.

Danach kam er zurück zur Truppe – „Wiedereinsteller“ nannte man das damals. Er diente als Kompaniechef, wechselte aber bald in die Historikerlaufbahn an das – damals noch in Freiburg ansässige – Militärgeschichtliche Forschungsamt, schließlich an die Führungsakademie in Hamburg. In den spannenden Jahren 1987 bis 1997 – während der Wende und Auflösung des Ostblocks – arbeitete Klein als Referatsleiter im Bundesministerium der Verteidigung. Von der Hardthöhe aus war er damit befasst, die deutschen „Exportschlager“ wie Innere Führung und politische Bildung auch bei Streitkräften der ehemaligen Gegner im Osten populär zu machen und einzuführen.

Aus Vorständen ausgeschieden

1997, nun als Oberst i. G., übernahm er die Leitung des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes, das erst kurz zuvor nach Potsdam umgezogen war. Der neue Standort, die Aufarbeitung der Geschichte der NVA, die kritische Frage nach der Traditionspflege, aber auch eine neue Sicht auf die Wehrmacht und den dortigen Widerstand in der NS-Zeit waren da die wichtigsten Themen, die er vorantrieb.

Nach seiner Pensionierung 2001 kehrte Klein nach Mannheim zurück – dorthin, wo er schon in den 1960er Jahren in der neu gegründeten Pfingstberggemeinde der jüngste Kirchenälteste war. Schon als Jugendlicher hatte er sich in der Kirche engagiert. Nun war er bereit, Verantwortung zu übernehmen, auch Führung in schwieriger Zeit. 2008 übernahm Klein für sechs Jahre den Vorsitz der Evangelischen Stadtsynode.

Persönlich stets bescheiden im Hintergrund bleibend, auf Dialog und Ausgleich bedacht, musste er sich so schwieriger Themen wie Haushaltskonsolidierung und Zusammenschlüsse von Gemeinden annehmen und Überzeugungsarbeit leisten, ohne befehlen zu können. Zudem trieb er die Ökumene voran, verpflichtete die Kirche zu stärkerem Kampf gegen Kinderarmut. 2014 ging er, mit der Konkordienmedaille ausgezeichnet, dann wirklich in den Ruhestand. „Ich wollte alle Ämter rechtzeitig aufgeben, ehe die Leute sagen: Wann geht er endlich“ so Klein, der daher auch aus den Vorständen des Marchivum-Freundeskreises, der Harmonie-Gesellschaft sowie des Förderkreises vom Militärgeschichtlichen Museum Rastatt sowie, zuletzt vor einem Jahr, als Kirchenältester ausgeschieden ist.

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