Mannheim

Landgericht Auch Jugendliche unter Angeklagten

Mann misshandelt wegen 15 Euro?

Der Prozessauftakt verspätet sich –bei Glätte dauert auch der Transport aus der Untersuchungshaft zum Landgericht länger. Dort wird seit Mittwoch der Verdacht eines schweren Raubs verhandelt: Vier teilweise jugendliche Angeklagte sollen einen jungen Mann im Juli 2020 bei zwei Begegnungen in Mannheim bedroht, misshandelt und beraubt haben. Bei dem ersten, vermutlich zufälligen Treffen sollen drei der Angeklagten den Anfang Zwanzigjährigen drangsaliert haben – unter dem Vorwand, dass er der Schwester eines Angeklagten noch 15 Euro schulde. Als die mutmaßlichen Täter beim Geschädigten kein Geld oder andere Wertsachen fanden, ließen sie ihn ziehen. Bei einer zweiten Begegnung wenige Tage später sollen alle vier Angeklagte beteiligt gewesen sein. Sie sollen den Mann körperlich misshandelt und unter Gewaltandrohung aufgefordert haben, sich auszuziehen.

Fotos und Videos versendet

Ein Angeklagter habe von dem nackten Opfer Fotos und ein Video aufgenommen und per Nachrichtendienst WhatsApp unter anderem an seine Schwester geschickt. Die Beschuldigten sollen die Hände des Manns mit Kabelbinder auf dem Rücken zusammengebunden haben und mit ihm in seine Wohnung gegangen sein, wo sie ihm unter anderem Schmuck, eine Geldkassette und einen Laptop weggenommen haben sollen. Das Opfer soll vor den Taten nur einen der Angeklagten gekannt haben.

Bis auf den Jüngsten, der zum Tatzeitpunkt 14 Jahre war, sitzen alle Beschuldigte in Untersuchungshaft. Während für ihn im Falle einer Verurteilung Jugendstrafrecht gelten wird und für den Ältesten, der Anfang 20 war, Erwachsenenstrafrecht, muss im Laufe des Prozesses noch geklärt werden, was für die beiden 19- und 20-Jährigen gelten soll. Bei Angeklagten zwischen 18 und 21 Jahren wird gemäß ihrer Reife entschieden. Sollte der älteste Täter verurteilt werden, drohen ihm nach Erwachsenstrafrecht mehr als vier Jahre Haft. Drei der Angeklagten hatten schon bei der Polizei bereits ganz oder in Teilen Geständnisse zu den Vorwürfen abgelegt. Manche der Angeklagten haben bereits mehrere Vorstrafen.

Öffentlichkeit ausgeschlossen

Die Sitzung am Mittwoch – es war der Prozessauftakt – hatte kaum begonnen, da beantragte die Verteidigung, die Öffentlichkeit von den Verhandlungen aufgrund des Alters der Angeklagten auszuschließen. Es gehe unter anderem um persönliche und familiäre Verhältnisse. Der Vorwurf habe darüber hinaus eine sexuelle Komponente, so zwei Verteidigerinnen.

Die Personalien wurden festgestellt, dann wurden die Zuschauer aus dem Saal gebeten. An sechs weiteren Prozessterminen bis Mitte Februar wird nun ohne Öffentlichkeit weiterverhandelt. Als Zeuge soll dann unter anderem auch der Geschädigte zu Wort kommen. Auch die Handyaufnahmen und Telefonkontakte wurden ausgewertet und sollen als Beweise angeführt werden.

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