Mannheim

Mannheim: Asylbeträge veruntreut?

Mannheim.Einen spektakulären Fall von Untreue soll es im Fachbereich Arbeit und Soziales der Stadt geben. Einer langjährigen Angestellten wird zur Last gelegt, für Asylbewerber vorgesehene Gelder in Höhe von rund 83 500 Euro hinterzogen zu haben. Am Montag, 15. Oktober, muss sie sich dafür ab 13 Uhr vor dem Amtsgericht verantworten.

Nach „MM“-Informationen hat die Frau bei ihren Vernehmungen den Tatvorwurf eingeräumt. Dafür spricht auch, dass nur ein Verhandlungstag angesetzt ist. Das Urteil könnte also schon am Montag fallen.

Wie das Gericht am Mittwoch mitteilte, wird der Angeklagten Untreue in 439 Fällen vorgeworfen. Zwischen März 2012 und April 2016 soll sie falsche Beträge bewilligter Bargeldleistungen auf Zahlkarten gebucht haben, mit denen Asylbewerber zum hausinternen Geldautomaten gehen können. Wenn die Betroffenen bei der Auszahlung die Differenz bemerkten und sich bei der Frau beschwerten, soll sie die korrekte Summe auf eine neue Zahlkarte gebucht haben. Das vermeintlich falsch ausgezahlte Bargeld von der ersten Karte habe sie, so die Anklage, in die eigene Tasche gesteckt. Verschleiert worden seien die fehlenden Summen über angebliche Leistungen für andere Asylbewerber.

Demnach wäre die Untreue vor allem zu Lasten städtischer beziehungsweise staatlicher Kassen gegangen. Vorstellbar ist allerdings auch, dass viele Betroffene den geringeren Betrag nicht reklamierten, weil sie dies für sinnlos hielten oder ihnen die Differenz nicht auffiel.

Die Verantwortlichen schweigen

Der Fachbereich Arbeit und Soziales wird von Hermann Genz geleitet, er gehört zum Dezernat von Wirtschaftsbürgermeister Michael Grötsch. Weder einer der beiden noch ein sonstiger Vertreter der Stadt wollte sich am Mittwoch zu dem Fall äußern. Sprecherin Melanie Just verwies zur Begründung auf das laufende Verfahren. Offen bleibt damit auch die Frage, wie das Vorgehen der Frau über einen Zeitraum von vier Jahren nicht auffallen konnte und ob es da keine Kontrollen gibt.