Mannheim

Vergleich Verwaltung in Heidelberg unterstützt seit 2015 alle öffentlichen Schulen / Deutlich höhere Versorgung auch in Ludwigshafen

Mannheim landesweit das Schlusslicht

Archivartikel

Harald Leber staunte nicht schlecht, als er vor einem knappen halben Jahr von der Dortmunder Schule am Hafen las. Der Leiter der Humboldt-Werkrealschule in der Neckarstadt-West kann auf eine Sozialarbeiterin mit einer 75-Prozent-Stelle bauen, die Dortmunder Kollegen haben fünf solcher Stellen – und das bei vergleichbaren Rahmenbedingungen. Aber immerhin: Harald Leber hat eine Sozialarbeiterin.

Damit steht er besser da als mehr als die Hälfte der anderen Mannheimer öffentlichen Schulen. Die Stadt beschäftigt derzeit 40 Sozialarbeiter mit 24,75 Vollzeitstellen, die sich auf 34 Schulen verteilen. Außerdem schlägt die Organisation der Sozialarbeit in der Verwaltung mit 1,5 Stellen zu Buche. Summa summarum zahlt Mannheim so, wenn man den Landeszuschuss von 413 000 Euro abzieht, jährlich 1,34 Millionen.

Trotz dieses auf den ersten Blick hohen Betrags: Landesweit ist die Quadratestadt in der Versorgung der Schulen mit Sozialarbeitern Schlusslicht. Auf tausend Schüler kommen laut Statistik des Kommunalverbands für Jugend und Soziales (KVJS) 0,79 Stellen. Der Landesdurchschnitt liegt mit 1,3 fast doppelt so hoch, und Spitzenreiter Freiburg schlägt Mannheim mit 2,64 Stellen um Längen.

Nicht besonders gut steht die Stadt aber auch im Vergleich mit den Nachbarkommunen da. Vor allem Heidelberg stattet die Schulen deutlich besser mit Sozialarbeitern aus. Versorgt sind dort seit 2015 flächendeckend alle 31 Schulen – auch die Gymnasien, die in Mannheim nahezu leer ausgehen. Heidelberg investiert 1,4 Millionen Euro jährlich (plus Verwaltungsunterstützung). Selbst das hoch verschuldete Ludwigshafen hat inzwischen 42 von 47 Schulen versorgt und zahlt bei – im Vergleich zu Baden-Württemberg deutlich höheren – Landeszuschüssen jährlich etwa 770 000 Euro.

Die Stadt ist sich der Situation bewusst, auch wenn sie stets weitere flankierende Maßnahmen wie etwa das Übergangsmanagement Schule – Beruf oder die „sozialpädagogische Schulunterstützung“ ins Feld führt. Dafür werden zurzeit gerade 2,25 Vollzeitstellen eingerichtet. Lutz Jahre, der Leiter des Fachbereichs Bildung, betonte bei der letzten Vollversammlung der Elternbeiräte im November 2018 zwar, die Sozialarbeiterstellen seien „stetig gewachsen“, sagte aber auch: „Nicht schnell genug, wenn man Schulen oder andere Beteiligte befragt.“

Mittlerweile ist es beschlossene Sache, dass der Pool an Sozialarbeiterstellen jährlich um 1,5 wächst. Bis alle rund 80 Schulen versorgt wären, würde es dennoch Jahrzehnte dauern. Die SPD forderte deshalb bei den Haushaltsberatungen Ende 2017, den Ausbau zu verdreifachen. Sie scheiterte. bhr

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