Mannheim

Corona-Zahlen Stadt reagiert auf Überschreiten der Risikogebiet-Schwelle mit Maskenpflicht und weiteren Feier-Einschränkungen

Mannheimer Oberbürgermeister appelliert: Kontakte reduzieren!

Jetzt ist eingetreten, was seit Tagen zu befürchten war: Mannheim ist Corona-Risikogebiet. Nach der am Donnerstag zunächst vom Land veröffentlichten Sieben-Tage-Inzidenz (die Summe der jüngeren Neuinfektionen umgerechnet auf die Einwohnerzahl) liegt Mannheim mit 56,7 sogar deutlich über der Schwelle von 50. Nach den viel später vermeldeten städtischen Zahlen – die in der Regel aktueller und genauer sind – beträgt der Wert 56,8. Gemeldet wurden 42 Neuinfektionen.

Offiziell wird die Einstufung als Risikogebiet zwar vom Robert-Koch-Institut in Berlin vorgenommen. Und dessen Zahlen können wegen Verzögerungen bei der Weitergabe geringfügig abweichen. Und Mannheim liegt ja ganz klar über 50.

Sperrstunde um 23 Uhr

Die Stadt reagierte darauf am Abend mit einem Maßnahmenkatalog. Auf Planken, Breiter Straße, Parade- und Marktplatz, Kunststraße, Kapuzinerplanken, Freßgasse, Münzplatz, Marktstraße, Erbprinzenstraße sowie im Bereich des Bahnhofsvorplatzes gilt laut Pressemittelung der Stadt ab Samstag eine Maskenpflicht. Feiern in privaten Räumen werden auf maximal zehn Personen begrenzt, die aus höchstens zwei unterschiedlichen Haushalten stammen dürfen. Für öffentliche Veranstaltungen gilt eine Obergrenze von 100 Personen, für Ansammlungen im öffentlichen Raum von zehn. Die Sperrstunden in der Gastronomie werden auf 23 Uhr begrenzt. Freitags und samstags dürfen ab 22 Uhr keine alkoholischen Getränke mehr im „Gassenschank“ verkauft werden.

Oberbürgermeister Peter Kurz sagte dem „MM“ zur Begründung: „Die steigenden Fallzahlen sind besorgniserregend, weil nicht gesichert werden kann, dass vulnerable Gruppen auf Dauer zu schützen sind.“ Auch in Mannheim müssten aktuell wieder Corona-Infizierte auf einer Intensivstation behandelt werden. „Anzunehmen, dass das Virus inzwischen harmloser ist als im Frühjahr, könnte ein fataler Fehler sein“, warnte Kurz.

Der weit größte Teil der Neuinfektionen erfolge über nahe Kontakte, insbesondere im privaten Bereich. Hier müsse man nun ansetzen. Die Bürger seien jetzt wie im März/April wieder gefordert, ihre Sozialkontakte zu reduzieren. „Nur wenn dies in den nächsten Tagen gelingt und möglichst alle einen Beitrag leisten, können wir Weihnachten und Silvester zumindest einigermaßen so verbringen, wie wir es gewohnt sind“, appellierte der Oberbürgermeister.

Interessant ist indes auch ein Urteil, das am Donnerstag in Mannheim gefällt wurde. Der baden-württembergische Verwaltungsgerichtshof kippte das Beherbergungsverbot für Gäste aus Risikogebieten, weil es „in unverhältnismäßiger Weise in das Grundrecht auf Freizügigkeit“ eingreife. Auch grundsätzlich gaben die Richter in der Schubertstraße der Politik hier eine Leitlinie vor: Die Politik sei verpflichtet, „fortlaufend und differenziert zu prüfen, ob konkrete Grundrechtseingriffe auch weiterhin zumutbar seien und ob das Gesamtkonzept von Beschränkungen und Lockerungen noch in sich stimmig und tragbar sei“.

Die Verantwortlichen in Mannheim haben jedoch für die beschlossenen Maßnahmen sehr gute Argumente auf ihrer Seite. Angesichts des Überschreitens der 50er Marke war die Stadt förmlich zum Eingreifen gezwungen. Ein Risikogebiet zu sein, ist unschön. Ein untätiges Risikogebiet wäre verantwortungslos.

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