Mannheim

Kriminalität Mannheims Polizeipräsident sieht Erfolge im deutschlandweit einmaligen Projekt – aber auch noch Probleme

Mannheimer Polizeipräsident Stenger: „Videoüberwachung ist kein Allheilmittel“

Archivartikel

Das deutschlandweit einzigartige Pilotprojekt für die smarte Videoüberwachung in Mannheim ist aus Sicht von Polizeipräsident Andreas Stenger erfolgversprechend. „Die intelligente Software hat schon viel gelernt und hilft uns, schneller und zielgerichteter zum Einsatzort zu gelangen“, sagt er. Wichtig sei auch die Straftaten vorbeugende Wirkung sowohl von konventionellen als auch digitalen Kameras an Kriminalitätsbrennpunkten.

Vor eineinhalb Jahren wurde die Maßnahme initiiert. Trotz seiner Zuversicht sieht Stenger in der Videoüberwachung kein Allheilmittel. Vielmehr sei sie ein Mosaikstein in einer umfassenderen Interventionsstrategie für den öffentlichen Raum. Die bestehe aus Präsenz von Polizeistreifen auf den Straßen, Kontrolldruck an relevanten Orten und niederschwelligem Einschreiten bei Ordnungsstörungen und Straftaten. Bislang sind 68 von 72 geplanten Digital-Kameras an Orten mit laut Statistik erhöhtem Verbrechensaufkommen installiert – denn nur an Kriminalitätsschwerpunkten gibt es eine Rechtsgrundlage für Kameras. Solche Schwerpunkte sind eben der Bahnhofsvorplatz, der Parade-, Markt- und der Alte Messplatz sowie Teile der Breiten Straße. Damit Straftäter wie Taschendiebe nicht anderswo ihr Unwesen treiben, habe die Polizei den sogenannten Videoschatten – also Plätze ohne Überwachung, aber mit Kriminalitätspotenzial – besonders im Blick, erläutert Stenger. „Wir wollen keine Kriminalitätsverlagerung, sondern bestenfalls bereits agieren, bevor etwas passiert“.

Stenger verspricht sich von dem neuen System deutlich verbesserte Interventionszeiten. Im Schnitt liege die Spanne von der Meldung einer Gefahrensituation oder Straftat bis zum Eingreifen der Beamten bei gut zwei Minuten. Bei der konventionellen Videoüberwachung sitzen pausenlos Beamte vor den Monitoren – bei der smarten Version sichten sie im Endausbau nur die dem Lagezentrum vom System gemeldeten verdächtigen Bewegungsmuster. Damit kann Personal eingespart und für andere Aufgaben eingesetzt werden. Bislang könne die Software schon zwischen Gegenständen wie einem liegengebliebenen Koffer und einem Menschen unterscheiden, sagt Stenger. Auch grobmotorische Bewegungen wie Schlagen, Treten, Fallen, die auf eine Straftat hinweisen können, filtere das System bereits heraus.

Fehlalarme nach Umarmungen

Es gebe aber auch noch Fehlalarme, weil der Unterschied zu harmlosen Bewegungen – etwa einer Umarmung – nicht erkannt wird. Derzeit liegt die Fehlerquote laut Stenger im unteren zweistelligen Bereich. Damit die geringer wird, „müssen wir die Software weiter mit Daten füttern“, so Mannheims Polizeipräsident. Deshalb sei das Vorhaben auch auf fünf Jahre angelegt.

Das Karlsruher Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung hat das System nach den Bedürfnissen der Polizei entwickelt. Dabei wurde das Thema Datenschutz ernst und der oberste Datenschützer mit ins Boot genommen. „Die enge Kooperation mit dem Landesdatenschutzbeauftragten Stefan Brink ist ein Erfolgsgarant“, sagt Stenger. Auf die Überwachung wird in der Stadt mit Schildern hingewiesen. Brink sieht in der Innovation einen deutlichen Vorteil für den Datenschutz: Die Polizei schaue sich dabei nämlich nur noch verdächtige Szenen an, statt wie bislang das gesamte Bildmaterial zu sichten. dpa

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